Gegen Krieg und Militarismus

Dass sich die Wiener Frauenhetz in Kooperation mit WILPF Österreich im Sommer 2022 daran machte, ein Symposium zu organisieren und jetzt dieser Band herauskommt, stellt schon an und für sich ein bewundernswertes Statement der frauenbewegten systemkritischen Friedensarbeit in rauen Zeiten dar. Allein das Zusammenbringen von Stimmen jüdischer und palästinensischer, ukrainischer und russischer Aktivistinnen zwischen zwei Buchdeckeln zeigt, dass ‚es‘ geht – ungeachtet von Widersprüchen und Problemzonen. Mit seinen 18 je etwa 10-seitigen, gut lesbaren Beiträgen bietet das Buch eine Tour de Force durch fast 150 Jahre fantasievollen Widerstands gegen Krieg und Militarismus, von lokal bis international, und zum Teil kaum bekannt. Kommunistischer und sozialistischer Frauenfriedensaktivismus sind ebenso unterrepräsentiert wie manche Weltregionen. Dennoch lässt der Band diverseste Zugänge und Geschichten Revue passieren und führt kompakt in den Stand der Debatten ein. Nicht nur in der Friedensarbeit von Akteur_innen, die direkt im Kontext sich gegenüberstehender Konfliktparteien agieren, waren und sind die Problemzonen stets präsent: Unter welchen Umständen, und mit welchen Argumenten und Handlungsformen können und sollen Verteidigungsanstrengungen, oder Befreiungsbewegungen, unterstützt werden? Ist Radikalpazifismus, wenn es ‚darauf ankommt‘, wirklich zur Ohnmacht verurteilt? Welche Rolle spielen Männerherrschaft und Geschlechterverhältnisse für kriegerische Geschichte und Gegenwart, und von Frauen getragenen Friedensaktivismus? Wie verhalten sich Frieden als Abwesenheit von Krieg und gesellschaftliche Gerechtigkeit zueinander? Es mangelt im Buch nicht an spannenden Einzelbeispielen und überraschenden, aktivistischen und analytischen, Kombinationen von Repertoires bzw. Agenden.
S. Zimmermann
Krieg und Friedensbewegung. Feministische Perspektiven. Hg. von Birge Krondorfer und Irmtraud Voglmayr. 210 Seiten, Mandelbaum, Wien 2025 EUR 23,00