Editorial

Liebe Leser_innen!

WD_cover_02_2015Woran merken wir, dass schon wieder ein Jahr zu Ende geht? Der WeiberDiwan bringt einen Überblick über empfehlenswerte Kalender fürs nächste Jahr.
Wundert uns das? Nun ja, manchmal wundern wir uns schon, dass und wie wir es wieder geschafft haben, das Projekt WeiberDiwan weiterzutragen. Und wenn wir mit dem Wundern fertig sind, freuen wir uns, sind stolz und zufrieden. Ein Zustand, den wir gerne bei unserem diesmaligen Release-Event am 4. Dezember 2015 um 19 Uhr im 7*Stern (Siebensterngasse 31, 1070 Wien) mit euch teilen möchten: wir haben gemeinsam mit dem Verlag Zaglossus die beiden Autorinnen Elisabeth Etz und Lilly Axster eingeladen, mit uns und euch unter dem Motto „Gegen den Strom schreiben“ darüber zu sprechen, was queere Bücher ausmacht. Beide haben (auch) Kinder- bzw. Jugendbücher geschrieben, was wunderbar dazu passt, dass dieses Ressort in dieser Ausgabe besonders umfangreich ist. Dort wird nicht nur die Neuerscheinung von  Elisabetz Etz „Alles nach Plan“ besprochen, sondern auch Salla Simukkas  Abschluss der Lumikki-Trilogie „Wasserbomben und Dosenbrot“ von Rosemarie Eichinger und einige mehr.

Im Schwerpunktartikel geht es diesmal um Alice B. Sheldon, die unter dem Pseudonym James Tiptree Jr. sehr erfolgreiche Science Fiction veröffentlichte und heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Neben einem Blick auf ihr Leben und Werk finden sich in diesem Heft ein Interview mit dem Verlag Septime, der seit 2011 Tiptrees Texte als deutschsprachige Werkausgabe herausbringt sowie die Rezension des aktuellen Bandes mit Tiptree-Kurzgeschichten.

Im Bereich Belletristik gibt es wieder viel Lesenswertes und es fällt schwer, nur einige hervorzuheben. Hier trotzdem der Versuch: Ein ausgesprochen wichtiges Buch in diesem Herbst ist der Roman „Gehen, Ging, Gegangen“ von Jenny
Erpenbeck, der auch auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2015 stand und in dem es um die aktuellen Themen Flucht, Fluchtgründe und die Rolle und Verantwortung der Zivilgesellschaft geht. Zwei weitere sehr empfehlenswerte Romane befassen sich mit Tschechien – einmal stehen die sogenannten Göttinnen in den Weißen Karpaten im Zentrum (Kateřina Tučková: „Das Vermächtnis der Göttinnen“) und einmal die Folgen der Vertreibung der Sudetendeutschen
(Corinna Antelmann: „Hinter die Zeit“). Unter den Neuerscheinungen mit skandinavischem Hintergrund sind das neue Buch von Majgull Axelsson „Ich heiße Miriam“, das die Geschichte einer Romni, die eine jüdische Identität annimmt, erzählt, und der neueste Thriller von Anne Holt „Infarkt“ zu erwähnen. Als kleine Neuerung gibt es in dieser Ausgabe erstmals die Rezension eines Hörbuchs, des spannenden Thrillers „Feedom’s Child“ von Jax Miller. Denen, die weniger auf Spannung aus sind, sei als amüsante Lektüre das in einem leicht verrückten Wien spielende
„Die Bullshit-Dolmetscherin“ von Susanne Strnadl empfohlen.

Abschließend noch ein exemplarischer Tipp aus der Non-Fiction: QWIEN und die Wiener Antidiskriminierungsstelle haben das Buch „Zu spät? Dimensionen des Gedenkens an homosexuelle und transgender Opfer des Nationalsozialismus“ herausgebracht, das sehr lesenswert ist.

Wir wünschen eine angenehme Lektüre
Die WeiberDiwan-Redaktion

P.S.:  Auf unserer Website gibt es auch Platz für Kommentare und Feedback. Sollte Euer Lesehunger hier noch nicht gestillt werden, empfehlen wir euch einen Blick auf
www.nordstein.at, dort bloggt unsere Redakteurin Eva Steinheimer über
Literatur aus dem Norden.