Editorial

Liebe Leser*innen!

Sommer ist Lesezeit. Ob im Schatten unter einem Baum, einem lauschigen Kaffeehausgarten, am Strand oder am Balkon – oder im Bett, während draußen ein Gewitter niedergeht.
Also: her mit der Lektüre! Aus den vielen aktuellen Veröffentlichungen haben wir versucht, die spannendsten, originellsten und relevantesten herauszusuchen, selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit
und im vollen Bewusstsein, dass jede ihren eigenen Prioritäten folgt. Daher wie immer ein buntes Gemisch unterschiedlichster Genres, geschrieben in großer Stil-Vielfalt von vielen unterschiedlichen Rezensentinnen.

Einen kleinen Einblick über die Bandbreite der Themen geben wir Euch schon hier: Stolze 150 Jahre Deutsche Frauenbewegung werden mit einer informativen, kritischen und wunderschönen Publikation gefeiert.

Belinda Kazeem-Kaminski gibt Einblick in bell hooks Lehr- und Lernkonzept der „Engaged Pedagogy“,
die von verschiedenen Diskriminierungsebenen ausgehend alternative Gesellschaftsentwürfe ermöglichen möchte. Wie sich bei aller Differenzierung noch queere Bündnispolitiken realisieren lassen können, fragt sich Sabine Hark und hebt unsere Angewiesenheit auf andere Menschen ins Bewusstsein zurück. Mit „TransStudies“ von Persson Perry Baumgartinger ist diesmal ein besonders lesenswertes Fachbuch zum Thema trans* dabei.

Die Komponistin Olga Neuwirth verhandelt anhand von „Herman Melville“ Fragen von Identität, Geschlecht und Geschlechterwechsel, Kapitalismuskritik und Außenseiter_innentum. Erwähnenswert ist zudem ein Sammelband zu Sport & Gender, einem Thema, das nicht oft behandelt wird. Tiere sind auch wieder wichtig in dieser Ausgabe: wie das Leben mit einem Hund sie auf die eigene Psyche zurückwirft, beschreibt die Ethologin Patricia B. McConell, und welche Zuschreibungen Frauen und Katzen kulturgeschichtlich teilen, untersucht Johanna Plos.

Die Biografie über Vilma Steindling gibt interessante Einblicke in das Leben einer jüdischen Kommunistin in Wien. Hinweisen möchten wir auch auf eine sehr stimmig übersetzte Neuausage eines SciFi-Klassikers von Ursula K. Leguin – „Freie Geister“. Außerdem versprechen alte Damen im Baustellenlärm, eine junge Tochter in Ablösung von ihrem Vater und queere Realitäten in Grönland wunderbare Sommerlektüre. Unter vielen guten Romanen sticht der von Yoko Tawada – „Ein Balkonplatz für flüchtige Abende“ – hervor. Als wahre (Wieder)Entdeckung können Emmy Hennings Romane „Das Brandmal“ und „Das ewige Lied“ bezeichnet werden. Ihre Sprache greift in einem Satz nach den Sternen und verliert sich im nächsten in abgründigen Schilderungen einer Schauspielerin, die lebensecht die Rolle der Ware darstellt. Mit „Li . Tote Mädchen machen keinen Sex“ legt die Autorin Isabella Maria Kern einen gut lesbaren spannenden Kriminalroman vor, mit dem sie unterhaltsam, aber dennoch erfolgreich Gedanken zum
Thema Zwangsprostitution minderjähriger Mädchen anstößt. Die Newcomerin des professionellen Schreibens ist auch Interviewpartnerin für diese Ausgabe. Im Gespräch erzählt sie, wie ihr erster Kriminalroman entstanden ist, welche zukünftigen weiteren Buchprojekte sie plant und wie sie ihr Schreiben mit Beruf und Alltag aus feministischer Sicht wahrnimmt bzw. herausfordert. Die Krimi-Lesung über häusliche Gewalt an Frauen von Maria Sterns Buch „acetat“, im Gugg, Heumühlgasse 14 am 21. Juni liegt zum Erscheinungstermin leider bereits hinter uns.

Wir wünschen viel Zeit zum Lesen und fantastische Sommertage!

 

Die WeiberDiwan-Redaktion