Verschlagwortet: Familie

Einfühlsames Familienportrait

Yuko Kuhns Onigiri ist ein stilles, zugleich erschütternd kraftvolles Buch. In klarer, unaufdringlicher Sprache erzählt sie von einer letzten Reise der Protagonistin mit ihrer zunehmend dementen Mutter. Der Ausflug zu deren japanischen Wurzeln ist weit mehr als ein Ortswechsel: Er wird zu einer Reise durch verschiedene Lebensphasen, durch Erinnerungen und...

Familienfeier

Beklemmende Spannung ist garantiert in Brit Bildøens erstem auf Deutsch erschienenen Roman. In Norwegen ist die Autorin, die auf Nynorsk – der weniger verbreiteten der beiden norwegischen Standardsprachen – schreibt, mit Romanen, Lyrik und Kinderbüchern schon lange erfolgreich. Dorte hat zur Feier der Goldenen Hochzeit ihrer Eltern ein Wochenende in...

Im Alltag untergehen

Kind, Mann, Katze, Enten, Chaos. Wallys Alltag ist überfüllt von vielen kleinen Dingen. Dazu auch noch die Diagnose ihrer Tochter: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS). Sie braucht Therapie, Medikamente und Geduld. Sich damit auseinanderzusetzen und die Bedürfnisse ihrer Tochter zu respektieren, ist für Wally eine Heraus-forderung. Sie sieht sich selbst in ihrer Tochter...

Alles ist anders!

Der vierte Roman der österreichischen Autorin und Soziologin Birgit Birnbacher wendet sich wieder einem gesellschaftlich relevanten Thema zu. Es geht um neurodiverse Personen. Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien, als der zehnjährige Oz, der eine ADHS-Diagnose hat, mit einigen Klassenkamerad:innen die Hasen am Schulgelände inspiziert und vergisst, den...

Dem Schweigen ein Buch: Nazi-Vergangenheit in der Familie

Ich möchte zurückgehen in der Zeit ist ein Roman, in dem Hermann ihrer eigenen Familiengeschichte nachgeht, die exemplarisch für das intergenerationell vererbte Schweigen über SS-Kriegsverbrecher in der eigenen Familie steht. Hermann bleibt ihrem Stil mit klaren, kurzen Sätzen und gewollten Leerstellen treu: sprachlich am Punkt und über das Geschriebene hinausgehend....

Im Zwiegespräch

Auch in ihrem dritten Roman behandelt die Autorin Kaśka Bryla vielschichtige Themen. Die auf einem Wagenplatz bei Leipzig wohnende lesbische Ich-Erzählerin ist am Beginn der Corona-Pandemie 2020 schwer am Virus erkrankt. Nachdem strenge Quarantäneregeln am Wagenplatz so wie an allen Orten herrschen, ist sie zumeist auf sich allein angewiesen. Zwecks...

Welches Massaker?

Lara Haworths Debütroman Das Abschiedsmahl spielt in Belgrad, wo Olga Pavić die Nachricht erhält, dass ihr Wohnhaus beschlagnahmt werden soll, um dort eine Gedenkstätte zu errichten. Es soll an das Massaker erinnert werden – nur welches Massaker das sein soll, weiß niemand so genau. Olga beschließt, ihre nicht mehr in...

Den Schmerz im Familienkörper finden

Im Debütroman Familienkörper beschäftigt sich Michèle Yves Pauty mit familiären Beziehungen, Krankheit und Körperlichkeit. Dabei wird die Erfahrungswelt des literarischen Ich, dessen Aufwachsen im Tirol der 1980er Jahre den Rahmen des Romans bildet, überzeugend beschrieben. In einer klaren Sprache wechselt Pauty in kurzen Absätzen zwischen der Perspektive des Ich und...

Bewegte österreichische Familiengeschichte

Zwei Bauernhöfe hoch oben an einem Berg in Österreich bilden den Kosmos, in den Gabi Kreslehner ihre Leser:innen mit Wer wir geworden sind tief eintauchen lässt. Schicksalsschläge und die Wirren von zwei Weltkriegen führen dazu, dass es vor allem Frauen sind, die hier alles zusammenhalten, die Familien ebenso wie die...

Eine einfache Geschichte

Das Leben der pensionierten Altenpflegerin Rosa ist überschaubar: Frühstückskaffee und Zigarette auf dem Balkon mit Blick auf den See und die Berge, dann eine Runde mit dem Hund, am Abend regelmäßige Besuche von Fred, ihrem verheirateten Liebhaber. Als dieser unerwartet stirbt, hinterlässt er ihr einen Campingbus und den Wunsch nach...