Kategorie: Essay

A wie Abtreibung bis W wie Weiblichkeit

In einem Wörterbuch mit 47 Begriffen übt Alice Ceresa ernsthafte genauso wie zynische Kritik an der patriarchalen Gesellschaft. Es handelt sich nicht um ein herkömmliches Nachschlagewerk, denn mit jedem Eintrag baut die Autorin systematisch weiter an ihren anspruchsvollen, radikalen Ideen. Zum Geleit gibt es einen aufschlussreichen Auszug aus Ceresas Briefverkehr....

Weit mehr als Schwimmen

Wäre ich nicht selbst Schwimmerin, hätte ich vermutlich nicht zu diesem Buch gegriffen. Und ich hätte etwas verpasst. Denn Jaqueline Scheiber schreibt in Schwimmen/Schweben über weit mehr als den Wassersport. Sie schreibt über das eigene Körpergefühl, über Codes an Orten der Sportausübung, über das Entstehen von Routinen, über die gesellschaftliche...

Texte aus dem Krieg

Am 25. Februar 2022 werden die schlimmsten Befürchtungen von Katja Petrowskaja wahr: Ihre Heimatstadt Kiew wird bombardiert. Die Ukraine befindet sich im Krieg. Ihre Mutter, eine ehemalige Geschichtslehrerin, sitzt im Luftschutzkeller. Die Autorin selbst ist zu diesem Zeitpunkt in Berlin, wo sie bereits seit zwanzig Jahren lebt. Sie quält die...

Friederike Mayröcker auf der Spur

Im Rahmen der vom Mandelbaum-Verlag edierten Reihe Autorinnen feiern Autorinnen setzt sich Andrea Winkler mit Friederike Mayröcker auseinander. Die Faszination für die Sprache und poetischen Methoden Mayröckers hat nicht nur das Thema von Winklers literaturwissenschaftlicher Abschlussarbeit bestimmt, sondern auch zum eigenen literarischen Schreiben angestoßen. So führt uns Winkler in den...

Verwobenes Erzählen

Das Buch Der Geruch von verbranntem Eukalyptus. Über Herkunft, Sprache und Zugehörigkeit von Ennatu Domingo ist ein Buch über die Komplexität der unterschiedlichen Perspektiven als Prozess des Suchens; ermöglichend, verstehend; Widersprüche, widersprüchlich, widersprechend; stark, schmerzvoll, schwer, liebevoll, analytisch, global, politisch, feministisch, strukturell. Wie Verstehen, Perspektivierung, Geschichte und Adoption, Gefühle und...

Psst, nichts verraten!

Deniz Ohde beschreibt anhand ihrer persönlichen Erlebniswelt, wie sie als Kind ein erstes Geheimnis gegenüber ihrer Mutter gehütet hat. Sie deutet Geheimnisse in der Kindheit als Versuch, die eigene Individualität zu entwickeln, um sich von wichtigen sozialen Bezugspersonen zu emanzipieren. Für Ohde ist somit auch das Tagebuch ein Instrument zur...

Wider besseres Wissen

Mensch und Natur – eine uralte Geschichte, die in zunehmendem Maße aus dem Ruder läuft. Seit Jahrtausenden versucht der Mensch, sich die Natur untertan zu machen, eine Erfolgsgeschichte? Der Mensch als das ‚einzige’ vernunftbegabte Wesen auf dieser Erde beharrt auf seiner Vormachtstellung – diese Idee wird von der Autorin hinterfragt...

Familie, Gewalt und die Wiederholungsgefahr

In ihrem sehr persönlichen Text setzt sich Barbara Peveling mit den geschlechtsspezifischen Gewalterfahrungen in ihrem Leben auseinander. Sie erzählt von der Gewaltspirale in ihrer Ehe und von ihren Erfahrungen als Kind eines gewalttätigen Vaters, der sich schließlich selbst erschoss. Die Stigmatisierung der Familie sowie der Umgang von Mutter und Großmutter...

Gräueltaten im Krieg!

Nach ihren letzten drei Romanen hat die bekannte italienische Autorin Francesca Melandri nun einen Essay über den Krieg in der Ukraine geschrieben. Im Zwiegespräch mit ihrem verstorbenen Vater, der 1943 als italienischer Soldat mit seiner Einheit in der damaligen Sowjetunion vor deren Truppen flüchtete, versucht sie, den seit Februar 2022...

Über die Notwendigkeit zu schreiben

Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi gibt in ihrer Veröffentlichung der Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens, die unter anderen ihre breit diskutierte Rede zur Wiedereröffnung des Burgtheaters 2021 enthält, Einblicke in ihr Werk und ihre Beziehung zum Schreiben. Das kurze Buch ist gut zu lesen und ist eine leichte Einstiegslektüre zu...