Eine große Literatin!

Auch der letzte Band der fünfbändigen Elfriede Gerstl-Werkausgabe gibt wieder viele interessante Gedanken der österreichischen Autorin wieder. Es sind unveröffentlichte Gedichte, Prosa¬stücke, Reflexionen, Träume, Interviews und Denkkrümel aus fünf Jahrzehnten, die von Christa Gürtler und Martin Well aus Gerstls Nachlass zusammengestellt wurden. Ihre Denkkrümel sind treffsicher und hinreißend: Ob es das umschriebene Chaos ist als der beste „aufbewahrungsort“ oder „schönheit hat kein verfallsdatum“ oder „meine phobien sind meine haustiere – sie kommen und gehen wie katzen, wann sie wollen“ erheiternd, espritvoll, zuweilen tragisch sind ihre Reflexionen. Manchmal ist sie bitterbös, wenn ich den Text aus 1961 lese – „Akute Tschuschophobie in Favoriten“ – , dann frage ich mich, was würde sie heute als präzise Beobachterin über Migration schreiben. Sicher wäre ihr Herz auf der richtigen Seite, da sie selbst aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Geflüchtete im Hitlerfaschismus war. Wer im rastlosen Alltag immer mal wieder ein bisschen Aufmunterung oder eine Aufhellung benötigt, der greife zur Gesamtausgabe der sensiblen Autorin, ich bin sicher, dass es sich für jede lohnt. Danke schön!

ML

Elfriede Gerstl: Das vorläufige Bleibende. 5. Bd. der Werkausgabe. 344 Seiten, Droschl, Graz-Wien 2017 EUR 29,00

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