Frauen*Leben

Mit dem Gewinn des Publikumspreises beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2013 hat sich Nadine Kegele einen Namen gemacht. Nach zwei Romanen legt sie mit „Lieben muss man unfrisiert“ eine wunderbare Sammlung von Frauen*Leben vor. 18 Frauen* und Trans*Personen hat sie interviewt und deren autobiografische Erzählungen zu Tonband-Protokollen verarbeitet, die fesselnd, berührend und im positivsten Sinne politisch sind. So ziemlich alle wichtigen Themen, die im feministischen und queeren Diskurs derzeit verhandelt werden, kommen vor. Dass die Menschen selbst ihre Erfahrungen und Meinungen zu Identität, Sexualität, Behinderung, Rassismus, Mutterschaft, Altersarmut, Abtreibung und vieles mehr in eigenen Worten erzählen können, macht aus der Sammlung einen Schatz. Kein Bericht aus zweiter Hand oder theoretisches Verhandeln dieser Themen kann jemals so authentisch sein wie diese Tonband-Protokolle. „Die Geschichtsschreibung selbst müsste so aussehen, wie das in den Protokollen nach Tonband der Fall ist. Jede kommt zu Wort“, schreibt Marlene Streeruwitz im Vorwort. Und jede sollte das lesen. Gabi Horak

Nadine Kegele: Lieben muss man unfrisiert. Protokolle nach Tonband. 347 Seiten, Kremayr & Scheriau, Wien 2016EUR 22,90

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