Kategorie: Romane

„Kom niet dichterbij …

… komm nicht näher ran“, so die wortgetreue Übersetzung des Buchtitels, was gleichsam programmatisch für diesen Roman ist. Eine Geschichte zweier Schwestern, die einander sehr nahe stehen. Konsequent erzählt aus der (Ich-)Perspektive der Älteren, Marjolijn. Sie erzählt von Reva, der jüngeren, psychisch fragilen Schwester. Die sich schwer tut mit dem...

Im besten Alter

Es ist gewöhnungsbedürftig: Die Autorin spricht die Leserin direkt an, erzählt wie in einem inneren Monolog die Geschichte einer Frau „in den besten Jahren“ als wäre es die eigene. „Der Tag, an dem Sie ihren Vergrößerungsspiegel kauften, war kein guter.“ Es ist der Startschuss einer Reise durch den Verschönerungsdschungel –...

Trotzig durch Gefahr und Not

Als das Haus, in dem sie wohnt, dem Erdboden gleichgemacht wird, harrt die Protagonistin zunächst im Keller aus und beschließt dann, in den Wäldern zu leben, wobei diese vor allem aus Hagebuttenstauden bestehen und der Unterschlupf eine selbst gebaute Hütte ist, die sich als keineswegs wetterfest erweist. Es ist berührend,...

Die heilige Johanna von Irland

Maud Gonne (1866-1953) war wohl eine der schillerndsten Figuren im irischen Freiheitskampf. Maud stammte aus einer englischen Offiziersfamilie, dennoch war der Kampf für die irische Unabhängigkeit ihr fanatisch verfolgtes Lebensziel. Ihr Einsatz war enorm: Sie reiste in den unwirtlichen Nordwesten von Irland, um dort mit Pachtbauern gegen die grausame Herrschaft...

Die gezeichnete Frau

Der Roman erzählt von Mary Lohan, die sich aufgrund eines tragischen Unfalls von ihrem ursprünglichen Namen und Umfeld distanziert. Die Entscheidung, ihre Familie zu verlassen, gibt den Ausgangspunkt für Marys Geschichte. Sie flüchtet vor einer Kleinstadt-Gemeinschaft und ihrem Mann. Das Fluchtflugzeug bringt sie direkt in die Arme eines ihr unbekannten...

Lampedusa fiktional

Nach ihrem Debüterfolg „Das lange Echo“, in dem sie österreichische Erinnerungsformen an den Ersten Weltkrieg ausgehend von Traumatisierungen und österreichisch-ungarischen Herkunftsgeschichten neu positioniert, hat Elena Messner nun ihren zweiten Roman vorgelegt: Daniel kommt beruflich in das (fiktive) Makrique, ein kleiner Ort im Süden Europas, an dem immer wieder überfüllte Boote...

Vor der Steinigung

Bilqiss steht vor dem islamistischen Gericht der Scharia. Sie hat eines Morgens, weil die Umstände sich so fügten und obwohl Frauen dies verboten ist, vom Minarett zum Gebet gerufen, und das in höchst ungewöhnlichen Formulierungen. Sie besitzt Geschichtsbücher und Spitzendessous und eine Widerständigkeit, die keinerlei bequeme Etikettierung erlaubt. Auch der...

Ein Lied an Kenia

Als „Autopsie“ bezeichnet Yvonne Adhiambo Owuor, faszinierende Autorin aus Kenia, ihr Schreiben, eine Arbeit an Leichen: Odidi Oganda wird 2007 in einer Polizei-Falle erschossen, seine Schwester, Arabel Ajany, begleitet den Leichnam aufs Familienanwesen „Wuoth Ogik“, den „Ort, an dem die Reise endet“. Von dort aus macht sie sich mit Isaiah,...

Heteronormative Leidenschaft

Im ersten Roman von Albena Dimitrova, die 1969 in Sofia geboren wurde und seit den achtziger Jahren in Frankreich lebt, wird die leidenschaftliche Liebesgeschichte eines ungleichen Paares in der Endphase des Sozialismus in Bulgarien erzählt. Guéo ist Mitte fünfzig und Mitglied des Politbüros. Alba ist siebzehn, Waise und geht noch...

Zusammen(k)leben?

Kathy und Liz hatten die Nase voll von ihrem Leben in Deutschland bzw. Österreich. Sie flüchten vor zerbrochenen Beziehungen, ungesunden Familienverhältnissen und Inspirationslosigkeit und treffen unabhängig voneinander in Donnas Haus ein. Beide suchen Ruhe und haben daher erst einmal nicht viel miteinander zu tun; die eine lebt im Kellerzimmer, die...