Lehre & Gesellschaftsveränderung

Im Unterschied zu vielen anderen Texten der feministischen und antirassistischen Autorin bell hooks sind ihre Überlegungen zu Gestaltung des Lehrsettings, der Haltung von Lehrenden und ihren Inhalten, zu „Engaged Pedagogy“, eher unbekannt. Dazu kommt, dass wenig von hooks in deutscher Sprache zugänglich ist, wogegen Belinda Kazeem-Kaminski anschreibt. Sie geht in Anwendung von bell hooks’ Ansatz vor, wonach die eigene biografische Erfahrung in den Reflexionen über das eigene Tun Eingang findet. Als Schwarze Studentin an der mehrheitlich weißen Akademie für bildende Kunst in Wien ist sie gewechselt in die Rolle der Lehrenden ebendort. Mit hooks hat sie eine Theoretikerin gefunden, die ihr Selbstpositionierungen im Bildungsprozess ermöglichen und sie weiteres fragen lassen, wie deren Verständnis von Theorie als befreiende Praxis in ihrem Schreiben sichtbar wird, dem der Schlussteil des Buches gewidmet ist. Engaged Pedagogy als Basisverständnis knüpft an Critical Pedagogy und Engaged Buddhism an und bereichert diese um feministische Perspektiven. Demnach geht es um eine Form der Wissensvermittlung, bei der alle an Lernprozessen Beteiligten wertgeschätzt, ganzheitlich erfasst und gefördert werden. Grundlegend werden dabei verschiedene Unterdrückungsverhältnisse zusammengedacht, „um Veränderungen und alternative Gesellschaftsentwürfe überhaupt denken zu können.“ Eine aufschlussreiche Lektüre, die noch ein paar Überarbeitungen von der Diplomarbeit Richtung Buch vertragen hätte.

meikel

Belinda Kazeem-Kaminski: Engaged Pedagogy. Antidiskriminatorisches Lehren und Lernen bei bell hooks.  160 Seiten,  Zaglossus, Wien 2016  EUR 14,95

 

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