Aufschwungsträume im Wuppertal

Tamara ist Teenager im Wuppertal in den frühen 1960er Jahren. Trostlos umfängt die Leserin die Wohnungsknappheit, die zerplatzten Träume der Kriegsgeneration, die fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus, die Standesdünkel und Bildungsfeindlichkeit, sowie das Ausgeliefertsein an übergriffige Nachbarn, hoffentlich wohlwollende LehrerInnen, und die Launen der Mutter, einer überarbeiteten Alleinerzieherin. Doch Tamara will unbedingt ins Gymnasium, um dahin zu kommen, muss sie ganz auf sich gestellt all diese Hürden umschiffen. Ein bisschen hilft Elvis Presley, aber am meisten die Schwebebahn, mit der Tamara zumindest zeitweilig ein wenig rauskommt aus dem drückenden Alltag. Äußerst gelungen lässt Maiwald die Atmosphäre dieser Zeit wieder aufleben, plötzlich wird greifbar, wie es sich nach dem Krieg in Deutschland angefühlt haben muss. Ein unbequemes Buch, das ohne große Worte sehr viel Stimmung transportiert.

Karin Schönpflug

Salean A. Maiwald: Schwebebahn zum Mond. 207 Seiten, Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2017 EUR 13,30

 

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