Eine westdeutsche Jugend

Judith wächst sehr behütet in einer gehobenen Mittelschichtsfamilie auf. Ihre Jugend wird entlang politischer und gesellschaftlicher Ereignisse in den 1980 Jahren aus westdeutscher Perspektive erzählt: Waldsterben, Bundeskanzler Kohl, drohender Atomkrieg, Tschernobyl, Ostdeutschland, der Mauerfall. Aber auch klassische Coming-of-Age-Themen wie erste Lieben, Freundschaften, Schule, Zukunftsentscheidungen sind Teil dieses sehr autobiografisch wirkenden Romans. Judiths Erwachsenwerden wird von einer lähmenden Zukunftsangst begleitet, wobei – mit Klimawandel, Kriegen, Fukushima – erstaunlich viele Parallelen zur heutigen Zeit deutlich werden.

Die Erzählweise lädt ein, die eigene Jugend Revue passieren zu lassen. Jedoch bleibt die Geschichte für meinen Geschmack zu naiv, die Figur der Judith zu selbstbezogen, und damit zu stark in der westdeutschen „Dominanzkultur“ verhaftet, um wirklich interessant zu sein.

Sara John

Kirstin Breitenfellner: Bevor die Welt unterging. 240 Seiten, Picus, Wien 2017 EUR 22,00

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