Die reine Lust am Sehen

Im Jahr 2007 gelangte das umfangreiche fotografische Werk von Vivian Maier (1926-2009) an die Öffentlichkeit. Rund 150.000 Fotos, mehrheitlich Negative, fanden sich in Lagerräumen inmitten von ihrem Hab und Gut. In der Bronx geboren, entwickelte sich die ihr Leben lang als Kindermädchen beschäftigte Vivian Maier zu einer leidenschaftlichen Fotografin. Mit ihrer 1952 gekauften Rolleiflex fotografierte sie zuerst in New York und später in Chicago scheinbar alles, was ihr unter die Augen kam: Straßenszenen, das von Armut geprägte Leben, kleine Begebenheiten am Rande aber auch Berühmtheiten wie Audrey Hepburn, Schriftzüge in der Stadt, ihre Schützlinge und immer wieder sich selbst in Selbstporträts als Schattenbilder oder auch als Spiegelbilder in Schaufenstern. Maiers Fotografie lässt sich stilistisch als auch motivisch nahtlos in die Geschichte der amerikanischen Street Photography einfügen. Ihre Bilder zeugen von einer Kraft und Intensität wie jene von Lisette Model, Sid Grossman oder Helen Levitt. Das scheinbar Verstörende an ihrer Fotografie ist aber, dass sie die Ergebnisse ihrer Erkundungen Niemandem zeigte. Im Gegenteil, sie schien sich teilweise selbst nicht für das fertige Produkt zu interessieren, betrachtet man die große Menge an unentwickelten Filmrollen. Es scheint als wäre für Vivian Maier die reine Lust am Sehen das Wesentliche gewesen. Das vorliegende Buch gibt uns nicht nur einen schönen Überblick ihres umfangreichen Oeuvres, sondern es wird auch der Versuch unternommen, erstmals eine umfassende Biografie dieser spannenden Frau zu erzählen. Frauke Kreutler

Vivian Maier – Das Meisterwerk der unbekannten Photographin 1926-2009. Hg. von Howard Greenberg. 288 Seiten, Schirmer & Mosel, München 2014 EUR 59,70

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