Selbstbildnis in Worpswede

Paula Modersohn-Becker wurde nur 31 Jahre alt. Sie war zu Lebzeiten keine Berühmtheit, die fehlende Anerkennung schien ihrem Selbstbewusstsein als Malerin aber keinen Abbruch zu tun – möchte mensch angesichts des überbordenden Werks (ca. 750 Gemälde und 1000 Zeichnungen), das sie hinterlassen hat, meinen.

1889 wurde dort, wo sich heute Bremens Speckgürtel ausbreitet, die Künstler_innenkolonie Worpswede rund um den Barkenhoff gegründet: Motivation war der Rückzug vom Stadtleben und der Studiomalerei. Die spröden, von der Malerei noch nicht entdeckten Landschaften, das spezielle Licht und die Ruhe hatten es den jungen Künstler_innen angetan: Fritz Mackensen, der später ein begeisterter Nazi sein sollte, war ebenso dabei wie der Kommunist Heinrich Vogeler, der den Barkenhoff zu einem Treffpunkt von Linksradikalen und Freund_innen antiautoritärer Erziehung machen würde, bevor er ins Moskauer Exil ging und schließlich in der sibirischen Verschleppung starb. 1898 zog auch die Dresdnerin Paula Becker nach Worpswede, um Unterricht zu nehmen; und blieb. Sie heiratete ihren Künstlerkollegen Otto Modersohn und schuf Bilder nicht allein von hoher Qualität sondern auch in einer Menge, die ihre Freunde mehr als überraschte, als die sie nach ihrem frühen Tod sichten sollten. Zum 125. Geburtstag der Künstler_innenkolonie wurde im letzten Jahr auch dieses Bändchen neu aufgelegt: Eine Auswahl von Modersohn-Beckers Gemälden, ein kleiner Galerierundgang durch ihr viel zu kurzes Leben. Lisa Bolyos

Paula Modersohn-Becker: Gemälde. Bildband. Mit einer Einführung von Brigitte Uhde-Stahl. 109 Seiten, Schirmer/Mosel, München 2014 EUR 8,20

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