Hintergedanken

Dunkel und kalt ist es in dem kleinen Ort an der finnischen Küste. Das Meer gefroren, der Schnee so hoch wie lange nicht. Am Dachboden über dem Kaufladen lebt Katri, eine Eigenbrötlerin, von vielen zugleich argwöhnisch beäugt wie auch geschätzt, denn Katri ist äußerst geschickt im Umgang mit Zahlen und versteht viel von Geschäftlichem. Da sie außerdem immer ehrlich ist, wird sie oft um Rat gebeten. Streitereien löst sie sachlich einwandfrei, zieht sich dabei aber meist den Unmut beider Parteien zu, da sie eben nicht parteiisch ist. Seit ihre Eltern tot sind, sieht Katri es als wichtigste Aufgabe, sich um ihren jüngeren Bruder zu kümmern. Sein größter Wunsch, ein eigenes Boot, liegt jedoch weit jenseits ihrer finanziellen Möglichkeiten. Im Dorf wohnt auch Aemelin, eine erfolgreiche Illustratorin von Kinderbüchern. Sie ist schon älter, wohlhabend, reichlich schrullig und zeichnet die ewig gleichen geblümten Kaninchen. Katri beginnt, Aemelin kleine Gefallen zu tun, mit dem Hintergedanken so nach und nach, aber „vollkommen ehrlich“ an ihr Geld zu kommen. Recht schnell wird die Verbindung enger, Katri zieht in Aemelins Villa, ordnet ihre gesamte Korrespondenz, verhilft ihr zu besseren Verträgen mit den Verlagen. Doch auch Aemelin hat ihre Hintergedanken und schon bald ist nicht mehr klar, wer hier von wem mehr profitiert. Ein ausgesprochen angenehmes Leseerlebnis in einem stimmungsvoll erdichteten Kosmos, Tove Jansson ganz anders und doch ganz sie selbst. ESt

Tove Jansson: Die ehrliche Betrügerin. Roman. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. 173 Seiten, Urachhaus, Stuttgart 2015
EUR  19,50

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