Lebenslust, Wissensdurst und Disziplin

Voller Wissensdurst und mit dem Selbstverständnis, dass sie alles machen kann, was sie will. So empfand sich Ruth Gattiker schon als kleines Mädchen. Ruth Gattiker wurde 1923 in eine Schweizer Mittelstandsfamilie geboren. Das aufgeweckte Mädchen erkämpfte sich die Möglichkeit für Bildung abseits der „Erziehung zur Ehefrau“ und rang ihrem Vater schließlich auch die Erlaubnis ab, ein Gymnasium zu besuchen und Medizin zu studieren, obwohl der meinte, dass sich ja doch niemand von einer Frau behandeln lassen möchte. Ruth wollte Chirurgin werden. Durch Marie Lüscher, Chefärztin für Chirurgie an der Schweizerischen Pflegerinnenschule, kam sie zur damals noch neuen Disziplin der Anästhesie. Als 1961 der schwedische Pionier der Herzchirurgie, Åke Senning, nach Zürich berufen wird, ist Gattiker von Anfang an mit im Team. „Kein Zweig der Chirurgie fordert so enge Zusammenarbeit zwischen Chirurg und Anästhesist wie die Herzchirurgie“ schreibt Ruth Gattiker in ihrer Habilitation. Senning allerdings soll bei seinem Antritt in Zürich gesagt haben, keine Frau auf der ganzen Welt sei geeignet für diesen harten Job. Er irrte gewaltig. Ruth Gattiker wurde eine weltweit beachtete Koryphäe in herzchirurgischer Anästhesie.

Biografien gewähren Einblick in das Leben, die Gedanken- und Wertewelt eines Menschen. Sie machen aber auch Geschichte lebendig. Im Fall der Biografie der Anästhesiologin Ruth Gattiker wurde zudem ein überaus spannendes Stück Medizingeschichte dokumentiert. Rosemarie Zehetgruber

Denise Schmid: Ruth Gattiker. Pionierin der Herzanästhesie. 286 Seiten, Hier und Jetzt, Baden 2016 EUR 39,00

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