Perspektivenwechsel

In Yop City – einem Stadtteil von Abidjan in der Elfenbeinküste – gehts rund. Im nun endlich auf Deutsch erschienenen zweiten Teil der Comic-Serie „Aya“ hat sich einiges getan. Die Protagonistin Aya hat sich gegen ihren traditionell eingestellten Vater durchgesetzt und studiert Medizin. Doch die Troubles lassen nicht lange auf sich warten: FreundInnen werden unerwartet schwanger oder verschleppt, suchen Jobs und die große Liebe – und alle zählen auf Ayas Hilfe. In einer Stadt, in der es zugeht wie in einer Telenovela, ist das wahrlich keine leichte Aufgabe. Als dann auch noch ein Professor Ayas übergriffig wird und damit droht, ihr die Zukunft als Ärztin zu verbauen, wird der sonst so energiegeladenen Heldin alles zu viel und sie wird krank. Nun sind die FreundInnen am Zug – und sie lassen Aya nicht hängen. Marguerite Abouet kennt Ayas Welt von Geburt an. Sie ist selbst in Abidjan geboren und wuchs im traditionellen Viertel Yopougon auf, bis sie mit zwölf nach Frankreich auswanderte. In ihrer „Aya“-Reihe zeichnet sie ein kraftvolles und alternatives Bild ihres Heimatlandes, jenseits der westlichen (kolonialistischen) Klischeevorstellungen von Hungersnöten, Armut und AIDS in Afrika. Sie verknüpft souverän das Ernste mit dem Komischen, stellt die patriarchalische Ordnung in Frage, thematisiert Frauenrechte, schwules Leben und Polygamie – aufwendig und in prächtiger Detailfülle aufgezeichnet von Clément Oubrerie. Wunderbar und erkenntnisreich. Elke Koch
Marguerite Abouet/Clément Oubrerie: Aya. Leben in Yop City. Graphic Novel. Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. 364 Seiten, Reprodukt, Berlin 2014 EUR 39,90

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