Überlebensmut

Anhand von Tagebüchern, Briefen, Gedichten und unveröffentlichtem Archivmaterial stellt die Autorin in ihrem Buch Fluchtgeschichten bekannter weiblicher jüdischer Persönlichkeiten im Nationalsozialismus zusammen. Die einzelnen Fluchtbiografien werden nicht der Reihe nach rekonstruiert, sondern in die Zeit eingebettet, so dass die Akteurinnen in den verschiedenen Phasen des Nationalsozialismus – Machtergreifung, Reichspogromnacht, Zweiter Weltkrieg, Shoa, u.a. – ihre Eindrücke vermitteln. Diese Zusammenstellung erschwert die Reflexion über die Einzelschicksale, da jeweils nur kurze Episoden aus den strapaziösen Lebens- und Fluchtbedingungen eingeblendet werden und erst Seiten später die Person unter einem anderen inhaltlichen Aspekt wieder eingeblendet wird. Methodisch verfügt dieser Zugang über Stimmigkeit, weil er eine kollektive thematische Verarbeitung für die Leserin ermöglicht. Die Frauen versuchen folgende Fragen zu beantworten: Wie ist der Hitlerfaschismus zu begreifen? Welche ökonomischen Mittel sind zur Ausreise erforderlich? Was wird aus der Familie? Wer leistet Unterstützung? Wohin ist eine Flucht möglich? Wie reagiert das Aufnahmeland? Mittels zahlreicher Fotos und abgebildeter Plakate werden die authentischen Quellen untermalt und begleitet, so dass ein facettenreiches Bild der unwirtlichen prekären Lebenslagen der Flüchtenden entwickelt werden kann. Flucht heißt Leben wollen, sonst wäre sie nicht möglich! Antonia Laudon

Kristine von Soden: „Und draußen weht ein fremder Wind…“ Über die Meere ins Exil. 56 Seiten, AvivA Verlag, Berlin 2016 EUR 20,45

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