Vier Mal Sex und Beat

„Dufte Beat Girls“ wurden sie genannt. Die „Heiße Musik der Lumpenpuppen“ stand in den Ankündigungen der Konzerte. Autorin Ilse Jung (Mädchenname Köppen) war Rhythmusgitarristin bei der Duisburger MädchenBEATband The Rag Dolls (1965-1969). Männlich besetze Beatbands beäugten die Mädchen Backstage: „Ihr wollt doch nicht auch Beat spielen?“ Die Mädchen spielten „Yakety Yak“ (Leiber/Stoller) und ihre eigenen Nummern, z.B. „He Has Gone“. Mit E-Bass und E-Gitarre, Schlagzeug und Akkordeon wurde musiziert. 1966 war eine Mädchenband im Ruhrpott ein Skandal, die Eltern unterstützten die Teenager, führten sie zum Proben. Die Rag Dolls teilten sich die Bühne mit Julie Driscoll und Amon Düül, 1969 – nach nur vier Jahren war Schluss. Heute werden The Rag Dolls als einzige Frauenband zu den RuhrgeBEATbands gezählt. Bescheiden erzählt die Autorin und (heute wieder) Musikerin Ilse Jung ihre Lebensgeschichte, ihr Mann sucht die alten Plakate zusammen, die Tochter bringt die Single vorbei, der alte Plattenspieler wird vom Dachboden geholt. Weit weg scheint der BEAT – das WDR Filmteam bekommt Rouladen und Salat. Das Buch ist im Stile eines Scrapbooks gestaltet. Es sind zwar nicht alle Zeitungsausschnitte lesbar, dennoch: das Buch ist ein wichtiger Beitrag für die Musik- und Frauengeschichte! Solveig Haring

Ilse Jung: RuhrgeBEATgirls. Die Geschichte der Mädchen-Beatband The Rag Dolls 1965-1969. 117 Seiten, Marta Press, Hamburg 2016 EUR 18,00

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