Worte, so flüchtig wie Quecksilber

Valerie streift durch die Straßen Wiens, wenn sie eine Auszeit braucht. Sie betritt Bars, die eine Straße weiter sind als die, in der sie eigentlich verabredet gewesen wäre, wundert sich über die Herkunft so mancher Denkmäler, fährt mit verträumten Gedanken mit der Straßenbahn vorbei am Schwedenplatz. Valerie hat Rechtswissenschaften und Japanologie studiert und fristet die Arbeitstage als Praktikantin. Eigentlich weiß sie nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Eva Schörkhuber erzählt in dem Buch „Quecksilbertage“ über Wien, gibt einen Einblick in eine ein wenig verlorene Bewohnerin der Hauptstadt und führt die Lesenden durch kleine Straßen, sie gibt einen facettenreichen Überblick über diese Stadt. Sie lässt in den Kopf und in die inneren Konflikte der Protagonistin schauen und meistert es weiters, die Gefühle Valeries zu übermitteln. Die Sprache weist eine Einzigartigkeit auf, über die man selten stößt. Mit eventuell etwas zu verwirrend formulierten Satzkonstrukten erklärt die Autorin, wie verloren man sich in diesem Alter oft fühlt. Valerie bemerkt auch zunehmend, wie sehr ihre politische Bildung zu wünschen übrig lässt, versucht an diesem Zustand schließlich auch etwas zu ändern. Quecksilbertage ist eine gelungene Geschichte über die oft gefühlte Nutzlosigkeit; sie gibt Eindrücke von Wien, durch das man schlendern kann, allerdings auch als Stadt, in der wichtige historische Ereignisse stattgefunden haben, und sie packt, sie lässt mit Valerie zutiefst mitfühlen. Lilian Kaufmann
Eva Schörkhuber: Quecksilbertage. Roman. 200 Seiten, edition atelier, Wien 2014  EUR 17,95

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