Wer kommt hier nicht vom Weg ab?
Die jüdisch-marokkanische Künstlerin Salomé Abergel verschwindet aus ihrem Haus im Amsterdam – und löst damit eine Kette an Ereignissen aus. Warum sie verschwindet, wird erst im Verlauf des Romanes klar: Auch dies hat eine Reihe an Zufällen und merkwürdigen Begegnungen zum Grund. So führen die Geschichten des Romanes nicht nur in die verschiedensten Winkel Amsterdams, sondern auch nach Paris, Tunis und Casablanca. Dahin folgen wir unterschiedlichen Personen, die etwas mit Salomé und ihrem Verschwinden zu tun haben und denen allen eins gemein ist: So sehr sie es auch versuchen, sie schaffen es nicht, die erlebte Gewalt zu vergessen und ihre Vergangenheit abzuschütteln. Der Roman von Safae el Khannoussi ist vor allem eines: extrem klug geschrieben. Es ist nicht leicht, sich auf die verschiedenen Handlungsstränge und Personen einzulassen, besonders, wenn man das Buch nicht durchgängig liest. Liest man jedoch aufmerksam, ist es beeindruckend, wie die Autorin verschiedene Begebenheiten, die oft nur am Rande erwähnt werden, später in einem anderen Kontext wieder aufgreift und so ein komplexes Netz an Verstrickungen spinnt. Deshalb verwundert es nicht, dass der 2024 schon auf Niederländisch veröffentlichte Roman als „der europäische Roman der Stunde“ gefeiert und ausgezeichnet wurde.
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Safae el Khannoussi: Oroppa. Aus dem Niederländ. von Stefanie Ochel. 351 Seiten, Hanser, München 2026 EUR 26,80
