Alphafrauen

Der einführende Band ist eine Montage aus Archivmaterial sowie qualitativen und Gruppeninterviews mit bedeutsamen deutschen Gewerkschafterinnen, beginnt nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten und endet etwa 2010. Es sind insgesamt ca. 30 Themen, die Plogstedt in diesem Zusammenhang behandelt. Die einzelnen befragten Funktionärinnen des DGB sind im österreichischen Raum weniger bekannt, aber die behandelten Themen, Forderungen und Grabenkämpfe innerhalb der Gewerkschaft sind ähnlich. Es geht um unterschiedliche regionale Lohnentwicklungen im Osten und Westen, um Gleichstellungsfragen, die von Ostfrauen zunächst anders interpretiert werden als von Westfrauen, dem Equal Pay Ansatz, Frauen in Aufsichtsratfunktionen, Frauenförderungspläne, angemessene Quotenregelungen, genderbetonte Arbeitsplatzbewertungen, Aufgabe des Frauennachtarbeitsverbotes, Mindestlöhne, nicht existenzsichernde Arbeitsplätze, Arbeitskräfteüberlassungsfirmen, Pensionsantrittsalter usw. Die Forderungen verdeutlichen, warum sie insbesondere von weiblichen gewerkschaftlichen Funktionsträgerinnen eingebracht werden. Nachvollziehbar wird, wie schwer es für die Protagonistinnen ist, sich innerhalb der eher männlich dominierten DGB-Strukturen durchzusetzen. Die Zusammenstellung bietet eine Fülle an Material, Kurzbiografien und Portraitfotos der Alphafrauen. Es wäre nun eine vertiefende Analyse der angerissenen Phänomene wünschenswert. Antonia Laudon

Sibylle Plogstedt: Mit vereinten Kräften – Die Gleichstellungsarbeit der DGB-Frauen in Ost und West (1990-2010). 364 Seiten, Psychosozial-Verlag, Gießen 2015   EUR 20,50

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