Berlin in Bildern

Alltag im zerstörten Berlin nach dem Krieg, Szenen aus Theaterproduktionen von Stein, Brecht u.a., einige Seiten aus der persönlichen Familienchronik von Eva Kemlein – Collagen aus Fotografien, Zeitungsausschnitten, Kommentaren aus Überschriften. Ein kleiner Einblick in ein großes Werk – 300.000 Negative verwaltet das Stadtarchiv Berlin. Bemerkenswert sind Auszüge aus der Wiedergutmachungsakte von Eva Kemlein, die neun Jahre um eine Entschädigung kämpft – die Argumentation der Behörden ihr gegenüber, als Jüdin und Sympathisantin der DDR führt zu absurden Unterstellungen und dadurch ihrerseits zu eigenwilligen Entgegnungen. Die Texte zeichnen einen persönlichen Zugang zu einer spannenden Figur, die sich drei Jahre in Berlin versteckt und nach dem Krieg dort selbstständig als Fotografin arbeitet, auch nach der Errichtung der Mauer im Westen lebt und im Osten arbeitet. Einige der Fotografien haben sich verankert in die Geschichtsschreibung Berlins, die Verkehrspolizistin oder die Sprengung des Stadtschlosses, andere, wie die Aufnahme von Rühmann und Ulbricht, erzählen von einem Moment Geschichte, der, nicht so eindeutig lesbar, den weiteren Verlauf nicht in sich eingeschrieben hat und damit als Illustration benutzt werden kann. Solche würde ich gerne mehr sehen. Auch mehr aus ihrer Perspektive, über ihre Haltung zur eigenen Arbeit, aus ihrer politischen Einstellung, aus ihrer Erfahrung innerhalb politischer Systeme zu pendeln und mehr – mehr Bilder, mehr Familienchronik.

Cäcilia Brown

„Berlin lebt auf!“ Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909-2004). Hg. von Anna Fischer und Chana Schütz. 128 Seiten, Hentrich & Hentrich, Berlin 2016 EUR 14,90

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