Die Heimat ist ein warmer Arm
Thảos Vater verlässt die Familie 1988, um als Vertragsarbeiter in der DDR zu arbeiten. Thảo ist zu diesem Zeitpunkt drei Jahre alt und sieht ihren Vater nur einmal, bis er sie und ihre Mutter zehn Jahre später mit 13 Jahren nach Deutschland holt. Kann man einen Vater kennen(lernen), von dem man so lange getrennt war, obwohl man den Grund für die Trennung nicht versteht? Der Roman setzt bei ihrem ersten Besuch in Vietnam ein und erzählt eine Geschichte vom Weggehen und Ankommen, vom Erinnern und von den Versuchen, sich im Jetzt zurückzufinden. Der Roman spielt zu drei verschiedenen Zeitpunkten, zwischen denen jeweils circa zehn Jahre liegen. Thị Thanh Thảo Trần verarbeitet in ihrem Roman ihre eigene Migrationsgeschichte und macht somit auf die oft vernachlässigte Migration aus Vietnam nach Deutschland und anti-asiatischen Rassismus aufmerksam. Besonders schön sind die vielen Referenzen und Zitate aus vietnamesischen Liedern und Geschichten. Dennoch fehlt an manchen Stellen eine gewisse Tiefe – das Buch liest sich zum Teil so, als würde sich die Autorin nicht ganz trauen, alles zu erzählen oder den Leser:innen wirklichen Einblick in die Gefühle der Protagonistin zu gewähren. Ein zaghaftes Debüt!
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Thị Thanh Thảo Trần: Menschen wie wir. 280 Seiten, Leykam, Graz 2026 EUR 25,50
