Drei Generationen von Töchtern

Das Debüt erzählt die Geschichten von Marianna, Róża und Waleria. Drei Generationen von Frauen, deren Erfahrungen und Gefühle über zeitliche und örtliche Grenzen hinweg miteinander verflochten und zugleich von Brüchen und Verschiedenheit geprägt sind. In abwechselnden Perspektiven taucht der Roman in die Geschichten der Protagonistinnen ein, deren Lebenswege vom polnischen Dorf bis nach Westdeutschland von dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen, dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Ringen um eigene Möglichkeitsräume bestimmt sind. Dabei nimmt der Text stellenweise Bezug auf zeitgeschichtliche Ereignisse und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen, wie etwa die Ausrufung des Kriegsrechts 1981–1983 zur Eindämmung der Solidarność-Bewegung. Polnische Wörter werden nahtlos in den Text eingebunden und lassen sich nicht immer unmittelbar aus dem Kontext erschließen, sondern können in dem angehängten Glossar nachgelesen werden. Doch schafft dies Bezüge zu dem Erlebten der Protagonistinnen, ihrer Sprachlosigkeit und dem Schweigen sowie der Suche nach Worten für das Verdrängte und Vergessene. Besonders stark sind die lyrischen Passagen, die schonungslos, direkt und zugleich gefühlvoll in Wir-Form Erfahrungen von Frauen kollektivieren und die drei Erzählper-spektiven miteinander verweben. Ein berührender und vielstimmiger Roman über die individuelle wie auch die kollektive Suche nach Zugehörigkeit und Identität.
Ola

Oliwia Hälterlein: Wir Töchter. 356 Seiten, Verlag C. H. Beck, München 2026 , EUR 26,50