Ein Reiseabenteuer zu Tibets Göttinnen  

Mit einer tibetischen Führerin reisen zwei Frauen über Lhasa und den Mount Everest bis zum Berg Kailash. In „Berge, Bön und Buttertee“ von Elke Amberg weckten vor allem die Frauenfiguren in der tibetischen Kultur das Interesse der beiden Abenteuerinnen. Bön ist die alte schamanistische Religion Tibets, die den dortigen Buddhismus sehr beeinflusste. Viele weibliche Gottheiten spielen hier eine zentrale Bedeutung. So sind die vier heiligsten Seen in Tibet der Sitz von Göttinnen. Der türkisblaue Yamdrok Tso repräsentiert die „Bezwingerin der Horden der weiten Ebene“. Während die Autorin von der göttlich-weiblichen Machtfülle überwältig ist, ist ihre Freundin Gabi nicht zu bremsen, zum Ufer zu laufen und ihre Hand in das eiskalte Wasser zu halten. In diesen salopp geschriebenen Reisebericht mischt sich buddhistisches Faktenwissen mit den wichtigen Reisethemen wie zum Beispiel „wo ist bloß das Klo?“. Frauenthemen wie Brüderehe (die Ehe einer Frau mit mehreren Brüdern oder umgekehrt) und die Stellung der Frau im Buddhismus bekommen viel Platz im Buch. Das tibetische Wort für Frau kann mit „von niedriger Geburt“ übersetzt werden und verweist auf die vielfältigen Diskriminierungen in der Gesellschaft und Religion. Die chinesischen Machthaber verschärfen dies noch mit Maßnahmen wie Zwangssterilisation und Umsiedelungen. Eine humorvolle, nachdenkliche und vor allem sehr persönliche Reisereportage durch das aktuelle Tibet aus der Sicht eines lesbischen Paares.

Sabine Fabach

Elke Amberg, Berge, Bön und Buttertee. Reise ins Tibet der Frauen. 272 Seiten, Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus 2015 EUR  19,95

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