Eine Welt aus dem Gleichgewicht

Der Norden Argentiniens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Zwischen Bolivien und Paraguay herrscht Krieg, christliche Missionen dienen als Auffanglager für entwurzelte Indios und stellen Arbeitskräfte für die Forstindustrie. Der junge Eisejuaz, „dieser hier auch“ in der Sprache der Matacos, sucht sein Schicksal. Im Sägewerk und in der Mission genießt er Ansehen, doch „er ist nicht zum Chefsein geboren“. Außerhalb herrschen Hunger und Elend, Alkohol und Prostitution. Eisejuaz‘ Weg ist verschlungen und spirituell. In stockendem Spanisch erzählt er von Begegnungen und Offenbarungen, er spricht zu den Geistern des göttlichen Herren, der „ihn gekauft hat“ und dem zu dienen er entschlossen ist. Gallardos Roman ist ein bedrückendes Meisterwerk des magischen Realismus, nichts daran ist romantisch oder beschönigt. Die Welt ist aus dem Gleichgewicht, Grausamkeit, Umweltzerstörung und Tod sind allgegenwärtig, Frauen werden ohne viel Aufhebens gedemütigt und missbraucht. Nur sein Glaube gibt Eisejuaz Halt und trotz aller Zweifel und Wut folgt er seiner Bestimmung. Wohin wird ihn die religiöse Hingabe führen?

Dunja Chinchilla

Sara Gallardo: Eisejuaz. Aus dem argent. Span. und mit Nachwort von Peter Kultzen. 176 Seiten, Klaus Wagenbach, Berlin 2017 EUR 20,60

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