Eiseskälte

1913 entdeckt die Mannschaft eines Expeditionsschiffs eine neue Insel in der Antarktis. Sie nennen sie Everland. Drei Männer sollen das Neuland erkunden, doch schlechte Witterung, Streit, Neid und Missgunst werden ihnen zum Verhängnis. Hundert Jahre später wird eine Jubiläumsexpedition nach Everland geschickt. Zwei Frauen und ein Mann sollen die Pinguin-Population auf Everland und die Auswirkungen des Klimawandels in diesem Gebiet erforschen. Sie stoßen dabei auf Spuren jener Männer, die vor hundert Jahren hier ihren Überlebenskampf austrugen. Es zeigt sich, dass trotz weitaus besserer Ausrüstung Leben und Tod auf Everland nach wie vor sehr nahe beieinander liegen, denn in dieser gefahrvollen Umgebung öffnen Ehrgeiz, Begehren, Scham und Angst unweigerlich bedrohliche Abgründe. Rebecca Hunt verschränkt in ihrem zweiten Roman die beiden Zeitlinien ineinander und zeichnet so geschickt Parallelen zwischen den beiden Expeditionsereignissen nach. Permanente Perspektivenwechsel machen nicht nur nachvollziehbar, wie die einzelnen Expeditionsteilnehmer_innen ein und dieselbe Geschichte erleben, sondern auch, wie der Wunsch nach Anerkennung und die Angst vor Schwäche und Bloßstellung zu proble-matischen Entscheidungen führen. Ein sehr gut geschriebenes Buch, das auf 411 Seiten spannend bleibt.

Roswitha Hofmann

Rebecca Hunt: Everland. Aus dem Engl. von pociao. 411 Seiten, Luchterhand, München 2017 EUR 22,70

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