Feminismus als Ware?

Die US-Amerikanerin Andi Zeisler ist Mitbegründerin von Bitch Media, einem feministischen Medienprojekt zu Popkultur. „Wir waren doch mal Feministinnen. Vom Riot Grrrl zum Covergirl –  Der Ausverkauf einer politischen Bewegung“ ist nun Zeislers drittes Buch. Und der Name ist Programm. Gnadenlos nimmt sie vermeintlich feministische Stars, Trends und Hollywoodproduktionen unter die Lupe, um den sogenannten „Marktfeminismus“ vorzuführen. Diese Art von Feminismus ist ihrer Meinung nach dekontextualisiert und entpolitisiert und dient hauptsächlich Unternehmen, ihre Produkte zu vermarkten. So klärt uns Zeisler auf, wieso es noch lange nicht feministisch ist, mit dem Aufdruck „Feministin“ geschmückte Unterhosen statt Strings zu tragen, obwohl uns dies vom Marktfeminismus vorgegaukelt wird. Feministisches Branding verschleiert obendrein, wie wenig sich tatsächlich geändert hat, wenn es um Geschlechtergleichberechtigung geht. Zeisler schafft es, unangestrengt Querverbindungen zu ziehen. So spannt sie den Bogen im Kapitel zu Ermächtigung von vermeintlich ermächtigenden Schönheitstipps zur Riot Grrrl Revolution. Generell sollte man auf ein umfangreiches Name-dropping der Popkultur vorbereitet sein.

Eine lockere Lektüre, die sich unterhaltsam und schnell liest. Zeisler nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Und ja, wir sollen uns nicht mit dem Marktfeminismus zufrieden geben. Feminismus ist keine zu konsumierende Ware, sondern lebt vom Anspruch auf Strukturveränderung. Danke für diese Erinnerungsauffrischung!

Birgit Coufal

Andi Zeisler: Wir waren doch mal Feministinnen. Vom Riot Grrrl zum Covergirl – Der Ausverkauf einer politischen Bewegung. Aus dem Amerik. von Anne Emmert und Katrin Harlaß. 304 Seiten, ‚Rotpunktverlag, Zürich 2017 EUR 25,70

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