Mädelsabend in Tokyo

Erikos Haare sitzen, ihr Outfit ist modisch, ihre Haut makellos. Sie ist die erste, die morgens ins Büro kommt, und die letzte, die es abends verlässt. Eriko ist vermeintlich perfekt bzw. strebt sie danach, sämtliche von Eltern, Arbeitgeber und Gesellschaft vorgegebenen Ansprüche zu erfüllen, die an sie als 30-jährige Karrierefrau gestellt werden. Ab und zu erlaubt sie sich, aus ihrem getriebenen Alltag zu fliehen: beim Lesen des Blogs „Heilbutt – Tagebuch einer nutzlosen Ehefrau“. Soko beschreibt darin ihren Alltag, den sie primär mit Faulenzen und dem Essen in Fastfood-Restaurants zubringt. Eriko fühlt sich angezogen von diesem vermeintlich leichten, dem Müßiggang verschriebenen Leben. Eriko und Soko lernen sich kennen. Die beiden Frauen haben eine Sache gemeinsam – sie haben Schwierigkeiten, soziale Beziehungen zu knüpfen. Was als Hoffnung auf Freundschaft beginnt, kippt aber schnell ins Gegenteil. Das 2015 in Japan erschienene Tokyo Girls Club ist kein Wohlfühlroman voller Prosecco und Mädelsabende. Vielmehr ist es ein leises Drama, das ein Psychogramm zweier einsamer Frauen in Japans misogyner Gesellschaft zeichnet.
Kathrin Ivancsits

Asako Yuzuki. Tokyo Girls Club, Aus dem Japan. von Ursula Gräfe. 383 Seiten, Aufbau Verlag, Berlin 2026 EUR 24,70