Marillen in Wien

Elisabetta wohnt seit ihrer Kindheit in den 1940er Jahren in Wien mit einem Marillenbaum im Garten. Der Keller wird regelmäßig mit neuen Marmeladegläsern gefüllt. Elisabetta lebt mit den Erinnerungen an den Verlust ihrer Familie im Holocaust und spricht mit den Geistern ihrer Schwestern, die sich ganz schön einmischen in ihr Leben. Eines Tages zieht eine neue Untermieterin ein. Pola ist Tänzerin und trägt schwer an der Erinnerung an die tragische Liebesgeschichte mit Rahel. In Rückblenden erfahren wir mehr aus dem Leben der beiden so unterschiedlichen Frauen, bis schließlich eine Verbindung auftaucht. Der Realismus tritt hier zurück, um die Botschaft der Verflechtung über die Generationen hinweg zu transportieren. Es bleibt die Frage, ob es eine Aussöhnung geben kann. Beate Teresa Hanika legt mit „Das Marillenmädchen“ ihren ersten Roman für Erwachsene vor. In der Geschichte von Pola und Rahel ist ihre Erfahrung als Jugendbuchautorin merkbar, was eine Stärke des Buches ausmacht. Ein Wermutstropfen für die Wienkennerin ist, dass die Adaptierungen der realen topographischen Bedingungen manchmal irritieren, aber das fällt natürlich unter künstlerische Freiheit. ESt

Beate Teresa Hanika: Das Marillenmädchen. 256 Seiten, btb, München 2016 EUR 20,60

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