Neues zum Gewaltschutz 

In dem vorliegenden Tagungsband kommen namhafte ExpertInnen zum österreichischen Gewaltschutzkonzept zu Wort. Silvia Ulrich, Angelika Kartusch und Anna Sporrer stellen die völkerrechtlichen Grundlagen dar, Albin Dearing darauf aufbauende rechtliche Modelle sowie die von der Europäischen Grundrechtsagentur durchgeführte, bislang umfangsreichste Dunkelfeldstudie zu Gewalt gegen Frauen. Renate Hojas skizziert den Nationalen Aktionsplan zum Schutz von Frauen vor Gewalt als politischen Kompromiss ohne umfassende Gesamtstrategie. Karin Neuwirth und Maria Schwarz-Schlöglmann widmen sich den jüngsten Reformen des Gewaltschutzgesetzes bzw. immer noch bestehenden Schutzlücken wie etwa dem Fehlen eines gesetzlichen Anspruches auf Prozessbegleitung, wenn Kinder „bloß“ ZeugInnen einer Gewalttat ohne Todesfolge wurden, oder dem in jeder Lage des Verfahrens möglichen Verzicht des Opfers auf weitere Verständigungen und somit de facto auf künftige Mitwirkungsmöglichkeiten. Zwei Beiträge zu forensischen Aspekten runden das Themenfeld ab, nämlich Lyane Sautners Ausführungen zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen und die Präsentation des Klinisch-Forensischen Netzwerks Steiermark durch Reingard Riener-Hofer und Simone Kainz. Die umfassende praxisnahe Bestandsaufnahme von Stärken und Schwächen des  Gewaltschutzsystems sowie von aktuellen Reformvorschlägen macht dieses Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk für alle einschlägig tätigen ExpertInnen.

Katharina Beclin

Aktuelle Entwicklungen im Gewaltschutz. Hg. von Maria Schwarz-Schlöglmann und Silvia Ulrich. Linzer Schriften zu Gender und Recht, Band 55. 210 Seiten, Trauner Verlag, Linz 2014 EUR  22,50

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