Ungleichzeitige Gleichzeitigkeit

In Dorothee Elmigers Roman geht es um Grenzen und Grenzüberschreitungen. Und auch um die Gleichzeitigkeit verschiedener Welten, die, auch wenn sie ungleichzeitig wirken, doch zugleich existieren und auf unergründliche Weise miteinander verbunden sind. Der Roman ist ein Gespräch verschiedener Personen, die sich in einem nicht näher definierten Raum aus unklarem Anlass austauschen. Die Erzählungen sind fragmentarisch, beziehen sich nicht immer aufeinander und werden von Zitaten, die sich deutlich vom Text durch verschiedene Schriften oder Sprachen unterscheiden, immer wieder unterbrochen oder ergänzt. Die meist willkürlich und unmittelbar beginnenden Erzählungen wirken zunächst, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Nach und nach zeigt sich, dass individuelle Erlebnisse von Reisen, Grenzüberschreitungen und Migration, die alle unsichtbar verbindende gemeinsame Erfahrung sind. Mit ihrer fragmentarischen, assoziativen Schreibweise gelingt es der Autorin, Prekarität und Verunsicherung, die Migrationsprozesse mit sich bringen, auf die Lesenden zu übertragen. Immer wieder verunsichert durch die abrupt beginnenden und endenden Erzählungen der Protagonist_innen sind die Lesenden vielfach in Anspruch genommen: im Überblick bewahren, im Herstellen der möglichen Zusammenhänge und dem eventuell daraus Schlüsse ziehen. Ein forderndes Buch. Petra Unger

Dorothee Elmiger: Schlafgänger. Roman. 141 Seiten, Dumont Verlag, Köln 2014 EUR 18,50

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