Was man dem Hass entgegensetzen kann

Ellen erzählt aus ihrer kindlichen Sicht von den Gräueln des Zweiten Weltkrieges. Ihrer jüdischen Mutter ist die Flucht nach Amerika gelungen, sie jedoch bleibt bei ihrer Großmutter. Sie erlebt die Deportation ihrer Spielkameradinnen, den Selbstmord ihrer Großmutter, der sie die Tabletten unwillig, aber dennoch reicht. Eine Kindheit, wie sie eigentlich kein Kind erleben sollte. Kindlicher Angst werden Worte verliehen. Wut und Ohnmacht werden hörbar. Obgleich nie die Worte Natio‑ nalsozialismus, Hitler oder Wien fallen, weiß die Hörerin, auf welche Schauplätze der Geschichte sie gebracht wird. Die Beklemmung, die Angst und das Grauen sind hörbar, und die damit transportierten Bilder bleiben im Gedächtnis.

Ilse Aichinger – eine der bedeutendsten deutschsprachigen Nachkriegsliteratinnen – schrieb nur diesen einen Roman, der 1948 erstmals erschienen ist. Die Regie und Textauswahl von Anne Bennent ist hervorragend und diese innige Auseinandersetzung mit dem Werk ist in jedem Wort hörbar. Anne Bennet spricht die Texte intensiv und eindringlich. Die musikalische Begleitung sowie die Soundeffekte von Otto Lechner und Peter Rosmanith unterstreichen grandios die emotionale Schwere und das Unbehagen, welches dieses Stück Geschichte hervorruft. Auf jeden Fall hörenswert!  Daniela Kiedl

Ilse Aichinger: Die größere Hoffnung. Klangbuch mit 1 CD. AutorInnenproduktion im Auftrag des ORF/Ö1. Dauer 54:45 Min. Gesprochen von Anne Bennent, Musik von Otto Lechner und Peter Rosmanith. Mandelbaum, Wien 2016 EUR 24,90

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