Weder hier noch dort!

Der neue Roman von Sinha beschreibt die Alltagsnöte und Ängste dreier Frauen aus Asien: Esha kommt aus Kalkutta und lebt seit einigen Jahren als Lehrerin in Paris. Sie hadert ob reaktionärer migrantischer Schüler_innen und sieht sich einer massiv feindlichen rassistischen Umwelt gegenüber. Marie wurde von einem französischen Ehepaar adoptiert und hält es in dem Land ihrer Adoptiveltern nicht mehr aus. Sie macht sich auf den Weg zu ihren Wurzeln. Mina, Tochter einfacher LandarbeiterInnen aus Bangladesh, wird von ihrem Cousin geschwängert und brutal von einer patriarchalen Welt zur Verantwortung gezogen.

Alles in allem wirken die drei Lebensgeschichten mit ihren Schnittflächen zu sehr konstruiert. Die anspruchsvolle Leserin kommt nicht so richtig auf ihre Kosten, da die umschriebenen Szenerien zu klischeehaft abgeleitet werden, was letztlich eine differenzierte Sichtweise von Migrant_innen in Frankreich ausblendet. Zu sehr werden die Opfer mystifiziert, und das verhindert einen emanzipatorischen Ausblick. Die Sicht auf die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse wird dadurch versperrt und verengt den konkreten Aktionsrahmen. Düster!

Antonia Laudon

Shumona Sinha: Staatenlos. Aus dem Franz. von Lena Müller. 159 Seiten, Edition Nautilus, Hamburg 2017 EUR 20,50

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