Wie verletzend können Worte sein? 

Gegen die sehr real wirksame Brutalität von Mord- und Vergewaltigungsdrohungen sowie manipulierten Bildern, die Mädchen* und Frauen* als Opfer von Übergriffen zeigen und sie damit einschüchtern wollen, wirken die Gender Media Studies manchmal zu sanft, zu wenig auf den Bedarf nach klaren politischen Interventionen verweisend. Dennoch ist es ergiebig zu analysieren, wie Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit im Raum der sozialen Medien beständig performativ hergestellt werden. Die Autorin tut dies mit den zukunftsweisenden Theorien von Judith Butler zu Verletzlichkeit und Karen Barad zum new materialism und stellt den Gegensatz von Hassrede versus Redefreiheit auf produktive Weise in Frage: Sie plädiert für ein Konzept „mediatisierter Missachtung“ jenseits der dualistischen Falle des Entweder-oders. Lebendig und berührend sind die Darstellungen von Anita Sarkeesian und Amanda Todd, zwei Frauen, die extreme verbale und bildhafte Gewalt im Netz erfahren haben. Sarkeesian, weil sie die sexistische Macho-Unkultur von Computerspieldesigns kritisierte („damsel in distress“ – junge Frau in Nöten, die der männlichen Rettung bedarf # gamergate), und Todd, die nach vielen mutigen Versuchen, sich öffentlich gegen die demütigenden Angriffe zu wehren, schließlich Suizid beging. Materialreich, spannend und oft auch bedrückend zu lesen.

Bettina Zehetner, Frauen* beraten Frauen*

Jennifer Eickelmann: „Hate Speech“ und Verletzbarkeit im digitalen Zeitalter. Phänomene mediatisierter Missachtung aus Perspektive der Gender Media Studies. 329 Seiten, transcript, Bielefeld 2017 EUR 34,00

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