Depression nach der Geburt

Es war höchste Zeit, dass ein Buch mit kommentierten Fallgeschichten von Frauen mit Depressionen rund um Schwangerschaft und Geburt auf den Markt kommt. Die Geschichten selber sind berührend und ungeschönt, teilweise beinahe schockierend, so wie eben das Leben selber auch. Zimperlich darf man da nicht sein. Manch eine Leserin wird sich in Teilen wohl nur allzu deutlich wiedererkennen. Leider ist einiges nicht ganz schlüssig, sodass man sich zu fragen beginnt, was wurde nun verfremdet, um die Identität der Frauen zu schützen, was ist frei erfunden oder dramatisierend wiedergegeben. Sarah z.B. in der dritten Geschichte macht auf Wunsch ihres Mannes noch „kurz vor der Geburt“ eine Reise, hat dann aber – wegen der Reise – in der 32. Schwangerschaftswoche vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt. Die 32. Woche wird nun üblicherweise nicht als „kurz vor der Geburt“ bezeichnet. In der dritten Geschichte von Isabel – sie verlässt schließlich die Familie, und das Kind bleibt beim Vater – fehlt mir im Kommentar der Psychiaterin vollkommen der Hinweis darauf, dass Isabel mit ihrer Tochter exakt das Gleiche macht, wie sie selber mit ihrer Mutter erlebt hat. Eine klassische transgenerationale Bindungsstörung, die in entsprechender Therapie aufgelöst hätte werden können, hier aber an die nächste Generation unreflektiert weitergegeben wird. Schade. Ein Buch, das wachrüttelt und hoffentlich dazu anregt, optimalere Lösungen zu finden als die hier beschriebenen.

Gerda Kosnar-Dauz

Petra Wiegers:  Nur die Liebe fehlt.  Von Depression nach der Geburt und  Müttern, die ihr Glück erst finden mussten.  176 Seiten, Patmos, Ostfildern 2016 EUR 17,50

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