Überblick über Feminismen
In insgesamt 22 Beiträgen werden überblicksartig Positionen von Theoretiker*innen und Aktivist*innen zum Thema Feminismus angeboten. Selbstverständlich werden in den Einführungen auch Widersprüche zu anderen feministischen oder trans-orientierten Sichtweisen deutlich. Genau darin liegt die Relevanz dieses Schulheftes, die feinen Unterschiede zwischen den Strömungen zu verdeutlichen. Ob klassenspezifische, egalitäre, dekonstruktivistische, intersektionale oder queere Ansätze vermittelt werden, letztlich geht es in dieser Vielfalt um die Kritik an Herrschaftsverhältnissen. Nicht alle Strömungen zeigen auf, wie diese Herrschaftsverhältnisse demontiert werden können. Für die schulische pädagogische Praxis ist für mich trotz der vorliegenden Beiträge dabei nicht überzeugend nachvollziehbar, wie gendersensible oder genderreflektierte Pädagogik am besten in der Schule funktioniert oder etabliert wird, wobei manche Theorien zumindest Anregungen dazu anbieten. Wünschenswert wäre aus Sicht der Leserin, dass endlich die polarisierenden Zuschreibungen mancher Ansätze gegenüber anderen feministischen Sichtweisen von diesen vernachlässigt werden, um fokussierter dem zentralen Kampf gegen historisch gewachsene patriarchale Herrschaftsstrukturen gerecht zu werden. Eine stärkere realpolitische Bündnispolitik der Feminismen ist jedenfalls anzustreben. Wenn queere identitätspolitische Ansätze ihren fluiden Charakter im Hinblick auf biologische Zuschreibungen betonen, dann sind diese ernst zu nehmen. Im Mittelpunkt ihrer Gesellschaftskritik sollte primär wie bei den anderen Strömungen nicht die Kritik an anderen Feminismen stehen, sondern die Bekämpfung von misogynen Herrschaftsverhältnissen.
ML
Feminismen. Hg. von Birge Krondorfer, Barbara Zach und Gabi Lener. Schulheft 199. 151 Seiten, Studienverlag, Innsbruck 2025 EUR 21,70
