Amüsantes & Pointiertes zu Sprache

 

Es lässt sich gut kichern mit Luise F. Pusch, und das schon seit Jahrzehnten. Es mag eine*r ihr nicht unbedingt in allem zustimmen (Kopftuch als „Häftlingskleidung“!), aber mit ihren Online-Glossen legt sie häufig Bedeutungen offen, die sich in der Sprache verstecken und unbemerkt ihr frauenfeindliches Werk tun. Nun liegt gedruckt eine weitere Auswahl dieser kleinen „satirisch zugespitzten journalistischen Kommentare“ von 2013-2016 vor, deren Satire sich laut Pusch oft jedoch automatisch ergab – so komisch wie das Deutsche (und die KritikerInnen feministischer Perspektiven darauf) eben sind. So erhebt sie „Homo-Ehe“ und „Verpartnerung“ zu Unwörtern, schlägt statt „sexuelle“ oder „sexualisierte Gewalt“ das täterorientierte „Sexualterrorismus“ vor, wiegt „kinderlos“ gegen „kinderfrei“ ab und lädt zum lustvollen Kreieren neuer Begriffe ein. Z.B. für „mansplaining“ (wie wäre es mit „herrklären“?) oder für das breitbeinige Sitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln „manspreading“ als „Mannsspreizung“. Häufig nutzt sie ihre Texte auch als Antwortmöglichkeit auf mediale Verunglimpfungen und Reduzierungen ihrer Person. So bewirkte ihre Glosse zum Geschlecht des selbst- und mörderischen Flugzeugpiloten und seiner Opfer einen Shitstorm, die sowohl im Original als auch mit zwei Nachträgen abgedruckt ist – und eine sinnverstellende Zitierung durch A. Schwarzer als Ursache aufzeigt. Und wie lassen sich Begriffe mit der Endung „-ling“ geschlechtlich präzisieren? „Weibliche Schutzsuchende“ statt Flüchtlinge!

meikel

Luise F. Pusch: Die Sprache der Eroberinnen und andere Glossen.  144 Seiten, Wallstein, Göttingen 2016 EUR 10,20

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