„CI-Borgs“ – Hacking the Body

Der vorgestellte Band ist das Ergebnis einer gleichnamigen Tagung, die im Rahmen des „Anthropofakte“-Forschungsprojektes 2016 im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden abgehalten wurde. Er versammelt aktuelle Stimmen zur Debatte um medizintechnische Körpermodifikationen. In philosophischen und soziologischen Auseinandersetzungen mit Prothesen und ihrer Bedeutung als medizintechnische und kulturelle Artefakte fokussiert er die konkrete Technologie des Cochlea-Implantats (CI), die Hörbehinderten so etwas wie „normales“ Hören ermöglichen soll. Vor dem Hintergrund von Zoë Sofoulis’ Begriff des “parahuman” gehen die Herausgeberinnen von einem Neben- und Ineinander von technischer und humaner Agentialität aus. Dabei gelingt eine behutsame Diskussion der „CI-Borgs“ im Spannungsfeld zwischen der Hoffnung auf Inklusion und Self-Empowerment auf der einen und problematischen Optimierungsimperativen sowie Normalisierungsprozessen auf der anderen Seite: CIs sind Artefakte, die sowohl neues Vermögen als auch nicht absehbares Unvermögen erschaffen – und damit nicht bessere (hörende), sondern schlichtweg andere Lebensrealitäten. Die Reflexion der Arbeit des Künstler_innenduos hoelb/hoeb hätte mehr Raum vertragen, bieten die ihr gewidmeten Beiträge doch vielfältige Denkanstöße zum Verhältnis von Technik und Körper im Allgemeinen. Alles in allem ein lesenswerter Band, dessen Texte bedeutende feministische, posthumanistische Theoretiker_innen aufgreifen. Carina Tiefenbacher

Parahuman: Neue Perspektiven auf das Leben mit Technik. Hg. von Karin Harrasser und Susanne Roeßiger. 180 Seiten, Böhlau, Reihe Schriften des Deutschen Hygiene- Museums Dresden, Köln – Weimar – Wien 2016 EUR 30,00

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