…die Haut nicht zum Verkauf, nur geliehen…

In dem dreifaltigen Tal Unteraubach zwischen Autobahn, Hochspannungsleitung und Zugstrecke beginnt die Geschichte der 14-jährigen Mathilda. Ab der ersten Seite dieser Coming-of-Age-Story ist die nahende Bedrohung des sexuellen Missbrauchs spürbar. Anhand zweier Erzählstränge nähert sich das Buch der jungen Frau. Ein Erzählstrang spielt in einer psychiatrischen Anstalt, der andere erzählt die Chronologie der Ereignisse, in beiden dominiert der innere Monolog Mathildas. In der ländlichen Enge und Abgestumpftheit wächst Mathilda in einem Haus auf, in dem die tote Mutter eine nicht zu füllende Lücke hinterlässt und der Vater schweigt. Die Einsamkeit und Leere dieser Vater-Tochter Beziehung wird durch den Untermieter Alain Bonmot durchbrochen. Umgeben von Männern merkt die heranwachsende Frau die Wirkung, welche ihr Körper auf Männer ausübt, sowie die draus resultierende Macht, aber auch Gefahr. Die vermeintliche Nähe und Geborgenheit, welche der Untermieter in ihr Leben bringt, stellt sich als Grundlage für den darauf folgenden Missbrauch heraus.Die Aufbruchsstimmung Mathildas auf der gemeinsamen Reise, endlich raus aus der ländlichen Einöde, verfliegt in dem Augenblick, als sich herausstellt, dass Bonmot sie über das Internet an Freier verkaufen will. Die poetisch gewaltige Sprache der Autorin stilisiert nicht die Geschehnisse, sondern gibt der Protagonistin Tiefe und Intelligenz, die in einer männerdominierten und lieblosen Realität um ihr Leben kämpft. Joanna Wilk

Sonja Harter: Weißblende. 204 Seiten, Luftschacht, Wien 2016            EUR 20,60

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