Die vielen Augen der Betrachter_innen

Ohne leitendes Thema und erkennbare inhaltliche Struktur geht es auch. Gleich die ersten Artikel in „Mein lesbisches Auge 14“ sind lesenswert. Sie beschäftigen sich mit der Schwierigkeit über Sex zu schreiben. Zum einen weil Sexualität auf vielen mehr oder weniger beschreibbaren Ebenen abläuft und zum anderen die Perspektiven der Leser_innen auf das Thema je nach Erfahrungs- und Erwartungshintergrund variiert. Zwei von vielen guten Gründen es also sein zu lassen? Im lesenden Selbstversuch zeigt sich – einige der Geschichten und Bilder zerren an weniger erquicklichen Erinnerungen aus den 1980er und 1990er Jahre, andere lassen wesentlich erquicklichere Momente (!) aus dem Fuß der Jahre auftauchen und wieder andere sind mehr vom Selben a là „Coming-Out-Lesben-Fantasy-Märchen-Kinky-Horny-Lesbo-Style“ – und eher zum Gähnen. Und da sind sie, einige wirklich gute Gründe über lesbischen Sex zu schreiben und ihn in Bildern zu zeigen. Es ist nach wie vor ein politischer Akt, es bringt die Leser_in in die Gefahr selbst-/reflexiver Denkbewegungen und es kann die Lebenszeit versüßen. Jede Lebenssituation, jedes Lebensalter lässt diesen Band wohl anders erscheinen. Und zu finden ist auch diesmal Interessantes, z.B. der Beitrag über Klassismus in der Community/Szene. Roswitha Hofmann
Mein lesbisches Auge 14. Hg. von Laura Méritt. 256 Seiten, konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2014 EUR 16,00

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