Drei Frauen

Die in New York lebende iranische Künstlerin Anoush gerät durch den Freitod ihrer Kindheitsfreundin Anouk in eine Sinn- und Schaffenskrise und zieht sich nach Italien in ihr Feriendomizil zurück. Sie versucht in der ländlichen Idylle zu verstehen, warum ihre Freundin sich umgebracht hat. Ihre im Iran lebende Familie hat sie schon jahrezehntelang nicht mehr gesehen und kontaktiert. Nach einem Bergunfall wird sie von einer Frau gefunden, die ebenfalls Anouk heißt, allerdings ihr Gedächtnis verloren hat. Anoush freundet sich mit Anouk an und sie beschließen, gemeinsam einen Roman zu verfassen, nachdem Anoush eröffnet hat, dass sie allein außerstande sei, literarisch noch etwas zu produzieren. Beide reflektieren ihre Vergangenheit als Strickmuster für das gemeinsame Romanprojekt, wobei sich Anouk in der misslichen Lage befindet, dass sie nur Bruchteile ihrer nahen Vergangenheit rekonstruieren kann. Anhand zahlreicher Parabeln und Träume werden die existenziellen Fragen des Lebens in diesem dichten Roman erörtert, wer sind wir, welche Aufgaben weisen wir uns selbst zu und wohin werden wir gehen. Wie bestimmen Zufälle unser Leben und unsere Entscheidungen? Dabei ist eines der ganz großen Themen die Versöhnung mit sich selbst und den anderen.

ML

Siba Shakib: Der Kirschbaum den sie ihrer Mutter nie schenkte. 365 Seiten, C. Bertelsmann, München 2020 EUR  22.70