Eine unerwartete Text- und Gedankenwelt

Lydia Davis schreibt Kurzgeschichten, die wie Gedichte wirken, sehr malerisch, zum Teil fragmentarisch. Als würde sie beim Telefonieren mit Freundinnen Beziehungen, Erinnerungen reflektieren und dabei kleine Notizen niederschreiben. Ihre Gedanken sind ernst wie von Ingeborg Bachmann und anarchisch egozentrisch, als hätte Hermes Phettberg sie unterstützt. Man hat das Gefühl, noch nie solche Kurzgeschichten gelesen zu haben. Manche Geschichten sind nur zwei Sätze lang, unglaublich, was sich darin alles ausdrücken lässt.

„Stille Gigantin der amerikanischen Literatur“ nennt sie die Los Angeles Times, und nach den ersten Geschichten kann man das überschwängliche Lob nachvollziehen. Im deutschsprachigen Raum ist sie weniger bekannt, man kann sich also noch damit hervorheben, ihre Texte gelesen zu haben. Eine große Empfehlung!

Barbara Pickl

Lydia Davis: Samuel Johnson ist ungehalten. Aus dem amerik. Engl. von Klaus Hoffer. 213 Seiten, Droschl, Graz 2017 EUR 22,00

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