Forschung im Dazwischen

Der Sammelband ist Ergebnis einer Summer School an der Universität Vechta, die sich den Herausforderungen und Möglichkeiten interdisziplinärer intersektionaler Geschlechterforschung in Soziologie, Bildungswissenschaften und Ökonomie widmete. In guter Tradition feministischer Forschung betrifft die Grenzüberschreitung auch Barrieren in der Universität – so sind Nachwuchswissenschaftler*innen, die gerade ihre Doktor*innenarbeiten verfassen, ebenso unter den Autor*innen wie Professorinnen. Die wiederholt angesprochene bessere Vernetzung und Forschung „auf Augenhöhe“ mit Akteur*innen aus der Praxis der Gleichstellungsarbeit und/oder des (queer-)feministischen Aktivismus lässt sich aus den Beiträgen hingegen kaum ablesen. Und auch der Schwierigkeit, den lebendigen Austausch einer Tagung zwischen zwei Buchdeckeln zu fassen, kann sich der Band nicht entziehen. So bleibt es weitgehend den Leser*innen überlassen, die einzelnen – jeweils spannenden! – Beiträge in Beziehung zu setzen. Eine Ausnahme bildet hier der Abschnitt zur Feministischen Ökonomie, wo sich ein einleitender Artikel und vier kürzere Inputs zu einem facettenreichen Bild zusammenfügen.

In Bezug auf das übergeordnete Thema interdisziplinärer Geschlechterforschung werden Leser*innen v.a. in der Einleitung der Herausgeber*innen und in Anna Orlowskis Beitrag zu den Wechselwirkungen von Geschlechterforschung und gesellschaftlichem Wandel fündig. Die Autorinnen diskutieren hier die Spannungsfelder, mit denen Geschlechterforschung besonders dort konfrontiert ist, wo sie gesellschaftliche Wirkung entfalten will. Denn dieser gesellschaftliche Anspruch – daran lässt der Band keinen Zweifel – ist für feministische Forschung sowohl in als auch zwischen den Disziplinen ein Muss.

Stefanie Mayer

Geschlechterforschung in und zwischen den Disziplinen. Gender in Soziologie, Ökonomie und Bildung. Hg. von Julia Hahmann, Ulrike Knobloch, Melanie Kubandt, Anna Orlikowski und Christina Path. 232 Seiten, Budrich, Opladen/Berlin/Toronto 2020 EUR 32,90