Gold, Silber, Bronze

Cosma, die fichtenfällende Gärtnerin, muss sich genau an ihren Arbeitsplan halten, sie lebt sozusagen auf Bewährung im Goldenen Sektor, überwacht von der Sozialen Kasse, der Nachbarin, ihrem Chef, ihrem Lover und ihrer Mutter. Sie darf keinen Kontakt zu alten Menschen haben. Dabei liegt gerade eine sehr alte Frau vor ihrer Tür und Cosma kann sich nicht zurückhalten ihr zu helfen. Es stellt sich heraus, dass die Frau die Schwester der Nachbarin ist und obendrein früher in Cosmas Wohnung gelebt hat. Ganz schnell ist Cosma verstrickt in die Wünsche und Begierden der Anderen.

Von Gold zu Silber zu Bronze ist der vorgegebene Weg aller Menschen, aber nicht alle wollen das ohne Gegenwehr hinnehmen. Die Bringschuld zieht sich wie ein rosa Faden durch das Leben, schwanger zu sein berechtigt zu Sonderbehandlungen in einer Gesellschaft, in der es kaum noch Kinder und junge Menschen gibt. Aber auch das damit erworbene rosa Logo der Sozialen Kasse schützt nicht davor, ein Rädchen im Getriebe eines bedrückenden Überwachungsstaates zu sein. Könnte unsere Gesellschaft in einer nicht allzu fernen Zukunft so aussehen, wenn sie sich nur mehr auf die Steuerung des sozialen Überlebens konzentriert? Sehr lesenswerte soziale Dystopie! gam

Annette Wieners: Goldene Zeiten. Roman. 268 Seiten, Edition Voss im Horlemann Verlag, Berlin 2014
EUR 20,50

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