Koch-Literatur

In diesem hübschen Bändchen kombiniert die Sprachwissenschaftlerin Diana Anfimiadi literarischen Text mit Biografie und Kochbuch. Geschmackserinnerungen an Gerichte oder Lebensmittel stellen den jeweiligen Ausgangspunkt für anekdotische Erzählungen, Zitate, Überlegungen und Assoziationen ihrer „kulinarischen Biographie“ dar. Manchmal verliert sie dabei den Faden, „also kehre ich zur griechischen Küche zurück“. Sie reist durch ihr Heimatland Georgien, berichtet en passant über historische und politische Entwicklungen dieser Region, über den Duft von Orangen, über Nahrungsmittelknappheit und daraus entwickelter Kochkreativität ihrer Mutter, über alte Kochbücher, die udische Sprache und den Schabzigerklee. Immer wieder geht es zwischen eingestreuten Rezepten (z.B. Tschrianteli oder Shekerbura) um das „Belletristische in der kulinarischen Literatur“, sie unterhält sich in Gesprächen mit anderen Intellektuellen, Forschenden und Kochenden darüber, sucht es selbst in ihrer Kochbuchbibliothek, schwingt dabei den Kochlöffel und schmeckt sich durch Gerichte aus aller Welt, „denn sowohl die Lyrik als auch die Kochkunst besteht aus dem Zusammenspiel von Elementarteilchen ….“ Die Kochanleitungen sind teils sehr simpel, vereinen dann wieder undenkbare Kräutermischungen, sind mal mehr kulinarisch, dann historisch oder geografisch interessant – und allesamt nachkoch- sowie per Index auffindbar. meikel

Diana Anfimiadi: Sonntag der beleuchteten Fenster. Eine kulinarische Biographie. Aus dem Georg, von Iunona Guruli. 146 Seiten, Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2016 EUR 18,40

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