Misslungene Weltgeschichte für Mädchen*

Mädchen* brauchen Frauen* in der Geschichtsschreibung! Dieser Umstand hat Kerstin Lücker und Ute Daenschel in einen wechselseitigen Schreibprozess einsteigen lassen, in dem sie eine „Weltgeschichte“ für junge Leserinnen schrieben, die auch die Beiträge von Frauen* inkludiert. Ur- und Frühistorisches stellt den Anfang, wo noch viele Fragen zur Aussagekraft von Quellen und Geschichtsschreibung gestellt werden. Weiter geht’s linear über Sumerer, Babylonier, Indien, China und Ägypten bis zu den Weltkriegen und heutigen Möglichkeiten von (nur einigen!) Frauen. Es ist interessant, von einer marokkanischen Gelehrten und Universitätsgründerin von 859 nach unserer Zeitrechnung zu erfahren, von Jeanne d’Arc, Heloise, Kaiserin Wu uvm. Nicht grundlos sind jedoch „Weltgeschichten“ in den letzten Jahrzehnten dafür kritisiert worden, ihre universalisierende Geste zu verschleiern – daran ändert sich auch nichts, wenn Frauen* aufgenommen wurden: In Formulierungen wie „der afrikanische Kontinent war für die Menschen ‚unbekanntes Land’“ wird die durchgehend eurozentristische Perspektive überdeutlich, dass „mit der Entdeckung Amerikas“ durch Abenteurer „ein Prozess begann, in dessen Verlauf die ganze Welt mehr oder weniger europäisch wurde“, behält eine unerträglich koloniale Sichtweise bei. Schade, dass Mädchen* nun eine Alternative kriegen, die ihnen viel belastetes Herrschafts- und kaum Sozial- und Alltagsgeschichte vermittelt, und sie wohl kaum zum Nachdenken anregt über historisierbare, weltweit sehr unterschiedliche Konzepte von Kindheit, Geschlechter, Körper oder dergleichen. meikel

Kerstin Lücker, Ute Daenschel: Weltgeschichte für junge Leserinnen. Mit Zeichnungen von Linda Hüetlin. 517 Seiten, Kein & Aber, Zürich-Berlin 2017EUR 25,70

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