Obsession

Anna schreibt ihrer vertrauten Freundin Vale einen Brief, in dem sie ihr gesteht, in welche psychische Krise sie geraten ist, nachdem ihr Freund Davide sie verlassen hat. Sie stalkt ihn, sie hackt seinen Facebook-Account und verfolgt seine Wege auf einer App, die sie zuvor bei sich am Computer installiert hat. Außerdem versucht sie Näheres über seine neue Freundin in Erfahrung zu bringen. Gleichzeitig vernachlässigt sie sich körperlich. Sie trinkt, schluckt Benzodiazepine, kann trotzdem nicht schlafen, nimmt 15 Kilo ab, und ist nicht mehr zurechnungsfähig, bis sie schließlich Davides aktuelle Freundin kennenlernt.

Der Roman war wochenlang auf italienischen Bestsellerlisten. Die Idee, ein Selbstbekenntnis oder Geständnis in Briefform an die Freundin zu formulieren, um Verständnis einzufordern, ist durchaus originell. Trotz einiger sprachlich interessanter und durchaus spannender Sequenzen blieb der Plot für die Leserin unbefriedigend. Allerdings sind die dargestellten Abgründe der Erzählenden und die rasche Genesung danach mir zu artifiziell erschienen. Designerklamotten, Austern, Alk, Koks, Sex, Voyeurismus, Gewalt und Eifersucht sind als Zutaten für „die große Erzählung“ allein nicht konstituierend. Schade!

Tamara Mayer

Elena Stancanell: Die nackte Frau. Aus dem Ital. von Karin Diemerling, 220 Seiten, Berlin Verlag München 2017 EUR 18,50

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