Queeres Leben in den 20er Jahren

Die Mopsa Sternheim Biografie von der vor zwei Jahren verstorbenen Forscherin Ines Rieder entführt einen in die frühen 1920er Jahre. In den Kreisen der damaligen deutschen und französischen DichterInnen, DenkerInnen und politischen WiderstandskämpferInnen wächst Mopsa Sternheim auf. Gemeinsam mit Klaus und Erika Mann, Pamela Wedekind und Annemarie Schwarzenbach lebt sie in der queeren Subkultur von Berlin, hat Beziehungen zu Männern und Frauen und kämpft viele Jahre gegen ihre stark ausgeprägte Drogenabhängigkeit. Besonders schön ist ihre innige Beziehung zu Rene Crevel, einem homosexuellen Schriftsteller, der Mopsa über alles verehrt. Er ist im Kreis der SurrealistInnen politisch aktiv, jedoch selber so schwer krank, dass er mit nur 35 Jahren, unter dem Zerwürfnis von KommunistInnen und SurrealistInnen leidend, Selbstmord begeht. Ein Ereignis, das Mopsa schwer trifft. Die Biografie ist sehr detailliert, so sehr, dass sie sich manchmal ein wenig in ihren Details verläuft. Sie hält sich offensichtlich an die Schilderungen aus Briefwechseln, die zusammengefasst nacherzählt oftmals ein Aneinanderreihen von Ereignissen ergeben, ein Aufzählen von Namen, was eine abgerundetes Narrativ verhindert. Dennoch liegt hier eine wichtige Biografie einer jungen Frau vor, die ansonsten nur Fußnote in anderen Biografien der Zeit geblieben wäre. Lena Hemetsberger

Ines Rieder: Mopsa Sternheim. Ein Leben am Abgrund. Zaglossus, Wien 2016 EUR 19,95

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