Schlüpmann liest Schopenhauer

Die Verknüpfung von Filmtheorie, Feminismus und Psychoanalyse ist nichts Neues, doch Schlüpmann erweitert diese interdisziplinäre Diskussion noch einmal um die Ebene der Philosophie und den Begriff der Seele. Seit den 1970er Jahren hat sich die studierte Philosophin der Filmtheorie im Wissenschaftsbetrieb verschrieben. Sie ist auch Mitherausgeberin der deutschen Zeitschrift „Frauen und Film“.

Schlüpmanns 2015 erschienenes Buch ist durchaus ein anspruchsvolles Werk. Die Seele wird als „Subjekt“ angenommen. Die Verbindung zur feministischen Filmtheorie wird dadurch gezogen, dass die Objektivierung der Frau kritisiert wird. So wird in den Texten der Feministinnen Helene Stöcker und Margarete Susman die Seele als „geschichtlich erworbenes Potential und als etwas, das es durch Integration in die herrschende Gesellschaft hindurch aufrechtzuerhalten und gesellschaftlich zu verwirklichen gälte“ beschrieben. Dies gibt Schlüpmann als Ausgangspunkt für ihre Forschungen zum Begriff der Seele an. Die drei großen Kapitel namens „Dualität und Vermittlung“, „Politik des Moralischen und Religiösen“ und „Verantwortliche Theorie“ sind dann allerdings hauptsächlich eine Relektüre Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung“ mit Fokus auf ein Denken der Seele. Auf Stöcker und Susman sowie die Frauenbewegung und feministische Filmtheorie kommt die Autorin erst wieder am Ende des Buches auf mageren 21 Seiten zurück. In Summe wäre weniger Schopenhauer und mehr Feminismus schön gewesen. Birgit Coufal

Heide Schlüpmann: Das Innere Bild. Zu einem verlorenen Begriff der Seele. 180 Seiten, Stroemfeld, Frankfurt/M.-Basel 2015 EUR 24,00

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