Selbstliebe: Das Franchise-Selbsthilfebuch 

Bei manchen Leserinnen sind die Bücherregale mit Selbsthilfeliteratur gut gefüllt und sie sind wahre Liebhaberinnen der diversesten Methoden, Empfehlungen und Tipps; esoterische Geborgenheitserfahrungen, Ritual-Anleitungen und vehemente To-Do-Listen, alles darf sein. Ich zähle mich da nicht dazu. Was die ehemalige Schauspielerin und NLP-Anhängerin Ina Rudolph in ihrem neuen Buch zur Selbstliebe schreibt, qualifiziert sie in meinen Augen vor allem als Franchise-Nehmerin von Byron Katies „The Work“. Ich könnte ja Ina Rudolphs Flapsigkeit sympathisch finden und das Alles-über-einen-Kamm-Scheren charmant, die eigene Tumorerkrankung kann ja tatsächlich einen Zugang zur Selbstliebe öffnen, aber können wir wirklich so zack, zack und ruck, zuck eingefahrene Muster verändern, Glaubenssätze sprachlich überschreiben und die Ursache unserer seelischen Schmerzen verpuffen dann wie Sternenstaub? Führen Wünsche wirklich so umweglos und rasant zu Lösungen? Und geht diese Umweglosigkeit so unvermeidbar über Truismen, Sprüche und Sentenzen wie sie auf Postkarten und viel zu oft auf Facebook zu finden sind? (Vielleicht bin ich ja nur zu sehr mit meiner langwierigen analytischen Therapieausbildung beschäftigt…)

Wenn ihr so oder so SelfHelp-Bücher gern habt: Auf der Website der Autorin (inarudolph.de) findet ihr genügend (Eigen)Lob zum Buch.

Judith Fischer

Ina Rudolph: Ich will mich ja selbst lieben, aber muss ich mich dafür ändern? 256 Seiten. Goldmann, München 2017 EUR 14,40

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